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Feindliche Übernahmen : Die Kulturrevolution des Jaroslaw Kaczyński

Jaroslaw Kaczynski im polnischen Unterhaus Bild: Reuters

Es wird wieder wegretuschiert: Namhafte Museen spüren den Druck von Polens Regierungspartei. Die Liste der Schauplätze der kulturellen Konterrevolution ist lang – und erste Widerständige geben bereits auf.

          5 Min.

          Vor gut drei Jahren trafen sich Jaroslaw Kaczyński und Viktor Orbán im polnischen Gebirgskurort Krynica. Auf dem Wirtschaftsgipfel, der als das „polnische Davos“ gilt, sagte der ungarische Regierungschef: „Der Brexit ist eine phantastische Gelegenheit für uns. Wir sind in der Kultur an einem historischen Augenblick angelangt. Jetzt bietet sich die Gelegenheit für eine kulturelle Konterrevolution.“ Kaczyński, Vorsitzender der polnischen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), sagte, beide Länder müssten in der EU in die Offensive gehen. Auch Kaczyński sprach von „dieser Konterrevolution“, die sein Verbündeter aus Ungarn ins Gespräch gebracht hatte.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          In Polen haben inzwischen etliche kulturelle Einrichtungen erlebt, was die in Krynica ausgerufene „Konterrevolution“ bedeutet. Jüngstes Beispiel ist das Museum der Geschichte der Polnischen Juden, mit einem hebräischen Wort auch „POLIN“ genannt. Sein Gründungsdirektor Dariusz Stola hat am vorigen Dienstag seinen Amtsverzicht angeboten. Das auf dem früheren Getto-Gelände in Warschau errichtete Haus ist einer der großen Museumsneubauten Polens nach 1989. Seine Gründung wurde seit Mitte der neunziger Jahre vorangetrieben; allen wichtigen politischen Kräften war klar, dass die Stadt, in der bis zum Holocaust die weltweit größte jüdische Gemeinschaft gelebt hatte, ohne ein solches Museum im doppelten Sinne amputiert sein würde.

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