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Religionskongress in Lindau : Falls Gott mal ein Außenministerium braucht

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Aus aller Herren Länder: Blick ins Plenum der Konferenz des „Council of Religious Leaders on Faith and Diplomacy“ in Lindau. Bild: dpa

Das Gebet ist hier Teil einer optimistischen Diplomatie: In Lindau am Bodensee tagte der Weltkongress der religiösen Oberhäupter. Wovon haben sie einander zu berichten?

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          Der Klub der Rotarier in der afghanischen Stadt Dschalalabad war zuletzt ­längere Zeit untätig gewesen. Nun aber gibt es Versuche, ihn wiederzubeleben. Und zwar von Pakistan aus, wo nicht nur der Geheimdienst reges Interesse an den Entwicklungen im Nachbarland hat, ­sondern auch die Zivilgesellschaft. Rotarier in Dschalalabad und in Kabul ­könnten eine Rolle spielen in der immer noch unübersichtlichen Situation nach dem überstürzten Abzug der westlichen Kräfte und der Machtübernahme der Taliban.

          Rotarier in Dschalalabad

          Es war ein pakistanischer Vertreter der Organisation Religions for Peace, der dieses Detail aus den aktuellen diplomatischen Bemühungen um Afghanistan zur Sprache brachte, und zwar an einem weit entfernten Ort – in Lindau am Bodensee. Dort fand soeben ein World Council of Religious Leaders statt, und eine der Veranstaltungen beschäftigte sich dabei mit dem Land am Hindukusch, von dem aus vor zwanzig Jahren die Terroranschläge vom 11. September geplant worden waren und wo nun wieder eine fundamentalistische islamische Bewegung herrscht, die wenig Interesse hat an „inter-faith harmony“.

          Harmonie zwischen den Religionen und darüber hinaus dann ganz allgemein das Gute oder zumindest das Verbesserbare in der Welt sind der Daseinszweck von Religions for Peace. 1970 fand die erste Weltkonferenz unter diesem Namen in Kyoto statt, es folgten Gipfel im Fünfjahresrhythmus. 2019 traf man sich in Lindau, wo es auch so etwas wie ein Heiligtum der nicht rivalisierenden Religiosität gibt, den „Ring for Peace“, eine sieben Meter große, ringförmige Skulptur aus Lärchenholz. Dieses Jahr traf man sich wieder in Lindau. Eine Prozession zum Friedensring war der sakrale Höhepunkt der Veranstaltung des Weltkonzils religiöser Führer. Der Papst war nicht dabei, die meisten anderen Religionen sind sowieso dezentraler verfasst. Die religiösen „leaders“ in Lindau kommen eher aus der mittleren Hierarchie der Religionen und aus der Nachwuchsarbeit. Graswurzelarbeit ist hier wichtiger als Dogmen.

          Sprach auf dem Kongress: Vinu Aram, Leiterin der indischen Organisation Shanti Ashram.
          Sprach auf dem Kongress: Vinu Aram, Leiterin der indischen Organisation Shanti Ashram. : Bild: dpa

          Das Programm der vier Tage war Gesprächen gewidmet, die zwar meist mit einem „moment of shared meditative silence“ begannen, danach wurde aber eifrig präsentiert – in jenem Sinn, in dem man weltweit in der akademischen, aber auch in der Geschäftswelt von Präsentationen als der wichtigsten Gattung im beruflichen Auftreten spricht. Die Diskussion zu Afghanistan war deswegen besonders interessant, weil sie einige geopolitische Aspekte der Angelegenheit erkennen ließ, die hierzulande weniger Beachtung finden. Zum Beispiel, dass Afghanistan nicht einfach nur Beute einer Geopolitik ist, in der die Vereinigten Staaten nun China die Tür zu den Erzen und Erden des westasiatischen Binnenlandes geöffnet haben. Ein Diskussionsteilnehmer aus Indonesien wies darauf hin, dass sein Land (im Übrigen eines, das sich intensiv um einen ausgleichenden Islam bemüht) viele Studierende aus Afghanistan aufnimmt und dass Jakarta immer wieder Gesprächsort für Bemühungen um nationale Versöhnung in dem multiethnischen und durch Besatzungen und Warlords traumatisierten Afghanistan war.

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