https://www.faz.net/-gqz-9k1c6

Die Kirche und der Missbrauch : Wer will Gott ertrinken lassen?

Der Überlebende Juan Carlos Cruz aus Chile spricht mit Journalisten am Ende eines Gipfeltreffens zum Thema sexueller Missbrauch. Es ist das erste Treffen dieser Art in der Geschichte der katholischen Kirche. Bild: dpa

„Die Welt nicht in dem beschissenen Zustand belassen“: Hinter den Kulissen des heute im Vatikan beginnenden Gipfels zum Missbrauchsskandal wird um eine moderne Ordnung der Kirche gestritten.

          5 Min.

          Es gelte nicht, eine neue Kirche zu erfinden, warnte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Er bezog sich damit auf Stimmen, die im Blick auf den kirchlichen Missbrauchsskandal dächten, „dass es an der Zeit ist, alles das, was bisher war, über Bord zu werfen. Es sind die alten Zeiten, die jetzt nicht mehr existieren sollen.“ Was Woelki die alten Zeiten nennt, welche der Kirche doch als ihr Proprium eingeschrieben seien, haben die Autoren eines offenen Briefs an Kardinal Reinhard Marx (F.A.S. vom 3. Februar) als „vormoderne Ordnung“ bezeichnet, welche es zu überwinden gelte – wann, wenn nicht jetzt, da die sogenannten systemischen Gründe des Missbrauchs und seiner Vertuschung verhandelt würden?

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Nun kann man, an die Vorhaltung der vormodernen Ordnung anknüpfend, die Frage stellen, was an der katholischen Kirche, wie sie sich im aktuell geltenden Katechismus präsentiert, eigentlich nicht vormodern ist. Kein einziger Paragraph genügt dort dem vorschwebenden Gegenbild einer „modernen Ordnung“, welche, da sie von ihren Verfechtern nicht näher spezifiziert wird, denn auch allzu leicht als „Zeitgeist“ vom Tisch gewischt werden kann. Man mache die Probe anhand des eben von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dem früheren Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, publizierten „Glaubensmanifestes“, nach eigenen Angaben verfasst angesichts einer „sich ausbreitenden Verwirrung in der Lehre“.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Landesparteitag der thüringischen Linken 2016 in Eisenberg: Marx zieht noch immer.

          Radikale in der Linkspartei : „Die Republik aufmischen“

          In der Linken haben Trotzkisten einen großen Einfluss, bis hin zur stellvertretenden Parteivorsitzenden: Janine Wissler gehört „Marx21“ an. Die Radikalen in der Partei übernehmen eine Scharnierfunktion ins linksextreme Milieu.
          Je mehr Privatpatienten in einem Gebiet, desto mehr Ärzte lassen sich dort nieder. Aber liegt das am Geld oder am sozialen Umfeld?

          Gesundheitswesen : Abschaffung der Privatversicherer soll Milliarden sparen

          Der Beitrag für jeden gesetzlich Versicherten könnte um 145 Euro im Jahr sinken, wenn private Krankenversicherer abgeschafft würden. Das behauptet eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Beamte, Ärzte und Wissenschaftler halten die Berechnungen für hanebüchen.