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Die Hohenzollern und der Staat : Deutsche Geschichte, als Privatsache betrachtet

Ziemlich beste Freunde: Adolf Hitler, der neue Reichskanzler, und Prinz Wilhelm von Preußen beim „Tag von Potsdam“ vor der Garnisonkirche am 21. März 1933. Bild: Bundesarchiv/Bild102-14437/Georg Pahl

Das einstige preußische Herrscherhaus fordert nicht nur Kunstobjekte zurück, es beansprucht auch die Deutungshoheit in öffentlichen Museen. Der Vorstoß der Hohenzollern ist ein Angriff auf die Demokratie.

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          Am 14. April 1932 schrieb Friedrich Wilhelm Victor August Ernst Prinz von Preußen, der älteste Sohn des abgedankten deutschen Kaisers Wilhelm II., einen Brief an den Reichswehrminister Wilhelm Groener. Es ging um das Verbot der nationalsozialistischen Kampforganisationen SA und SS, das Groener gerade auf Betreiben seines Kanzlers Heinrich Brüning beim Reichspräsidenten Paul von Hindenburg durchgesetzt hatte. Dieses Verbot, teilte der Prinz dem Minister mit, könne er nur „als schweren Fehler“ bezeichnen. Es sei ihm unverständlich, dass gerade der ehemalige Heeresgeneral Groener „das wunderbare Menschenmaterial, das in der SA und SS vereinigt ist und dort eine wertvolle Erziehung genießt“, für illegal erklären wolle.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Im Kern geht es bei den Verhandlungen, die der Bund, die Länder Brandenburg und Berlin und die von ihnen getragenen Schlösser- und Preußenstiftungen seit einigen Jahren mit dem Haus Hohenzollern führen und deren Inhalt jetzt publik wurde, um den Inhalt dieses Briefes und das, was daraus folgt. Denn hinter der Frage, für welche enteigneten Teile ihres ehemaligen Familienbesitzes die Hohenzollern einen Anspruch auf Rückgabe oder Entschädigung haben, steht die Frage, welche Rolle die Familie in der deutschen Unheilsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts gespielt hat. Es sind also einerseits Gegenstände, mobile und immobile, über die hier verhandelt wird – Villen, Schlösser, Gemälde, Skulpturen, Möbel, Tabaksdosen und Lüster –, und andererseits Personen wie der genannte Prinz Wilhelm, wie er in den Geschichtsbüchern abkürzungshalber heißt.

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