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Die Google-Gefahr : Schürfrechte am Leben

  • -Aktualisiert am

Spricht von „Internet“, „Web“ und „Google“, als wären die die Wörter austauschbar: Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt Bild: AP

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir erleben das Entstehen absoluter Macht. Die Internet-Giganten, Google an der Spitze, übertragen ihre radikale Politik vom Cyberspace auf die reale Welt. Sie werden ihr Geld damit verdienen, dass sie die Realität kennen, kontrollieren und in kleinste Stücke schneiden.

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          Erinnern Sie sich an die Fabel von den Fröschen, die glücklich in ihrem Märchenteich planschen? Fröhlich. Abgelenkt. Die Temperatur des Wassers steigt langsam an, aber die Frösche bemerken es nicht. Als das Wasser den Siedepunkt erreicht, ist es zu spät, um ans rettende Ufer zu springen. Wir sind die Frösche in den digitalen Gewässern, und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, warnte kürzlich in einem offenen Brief an den Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt (als Antwort auf dessen Artikel „Die Chancen des Wachstums“) vor der drohenden Gefahr: „Die Temperaturen steigen rasch.“ Falls dieser Alarmruf Sie beunruhigt, ist das gut. Die Gefahr, die er beschreibt, ist nicht auf die Verlagsindustrie beschränkt. Sie hat radikale Konsequenzen für alle anderen Industrien, Gesellschaften und Bürger. Warum?

          (Unabridged English version: Dark Google by Shoshana Zuboff)

          Erstens, weil uns dämmert, dass Google dabei ist, ein neues Reich zu errichten, dessen Stärke auf einer ganz anderen Art von Macht basiert – allgegenwärtig, verborgen und keiner Rechenschaft pflichtig. Falls das gelingt, wird die Macht dieses Reiches alles übertreffen, was die Welt bisher gesehen hat. Das Wasser ist nahe am Siedepunkt, weil Google diese Feststellung weitaus besser versteht als wir.

          „Vertrauen Sie mir. Ich weiß es am besten“

          Zweitens, weil der Zugang zum Web und dem übrigen Internet heute in weiten Teilen der Welt eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive Beteiligung am sozialen Leben darstellt. Nach einer 2010 durchgeführten Meinungsumfrage der BBC hielten 79 Prozent der in 26 Ländern Befragten den Zugang zum Internet für ein fundamentales Menschenrecht. Wir sind heute für unsere Suchanfragen, unser Lernen, die Herstellung von Verbindungen, die Kommunikation und für unsere Transaktionen auf Google angewiesen. Die erschreckende Ironie liegt darin, dass wir das Internet für unser Leben brauchen, aber die Tools, die wir dort benutzen, drohen die Gesellschaft in einer Weise zu verändern, die wir nicht verstehen und für die wir uns nicht selbst entschieden haben.

          Ein neoabsolutistischer Machtanspruch: Shoshana Zuboff warnt vor Google
          Ein neoabsolutistischer Machtanspruch: Shoshana Zuboff warnt vor Google : Bild: Russ Schleipman

          Wenn man Google mit einem Wort beschreiben könnte, dann mit dem Ausdruck „absolut“. Das Lexikon definiert „Absolutismus“ als ein System, in dem „die herrschende Macht keiner geregelten Kontrolle durch irgendeine andere Instanz unterworfen ist“. Im Alltagsleben ist Absolutismus eine moralische Einstellung, in der Werte und Prinzipien als unangreifbar und universell angesehen werden.

          Vor sechs Jahren fragte ich Eric Schmidt einmal, welche Unternehmensinnovationen Google einsetze, um sicherzustellen, dass seine Interessen mit denen der Endnutzer übereinstimmten. Wäre Google bereit, deren Vertrauen zu missbrauchen? Die Antwort, die er mir damals gab, setzte mich in Erstaunen. Er und die Mitbegründer von Google hielten die Mehrheit der (stimmberechtigten) Stammaktien. So könnten sie Entscheidungen treffen, ohne auf den kurzfristigen Druck der Wall Street Rücksicht zu nehmen.

          Was er nicht sagte: Natürlich befreite sie das auch von jeglichem anderem Einfluss. Man kämpfte nicht für die Schaffung eines transparenten Governance-Systems oder vertrauenswürdiger Feedback-Verfahren. Schmidts Antwort klang stattdessen wie der Inbegriff von Absolutismus: „Vertraut mir. Ich weiß es am besten.“ In diesem Augenblick war mir klar, dass ich da etwas Neues und Gefährliches vor mir hatte, dessen Auswirkungen weit über den ökonomischen Bereich hinaus- und tief ins alltägliche Leben hineinreichten.

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