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Die gelähmte Linke : Dieses verdammte Ja-Sagen

Paris, Mai 1968: „Mit der Revolte der Sechzigerjahre gewann zum ersten Mal eine subversive Lust am Widerspruch, ein Prinzip der Negativität etwas an Raum, ohne in kürzester Zeit wieder weggesperrt zu werden“, schreibt Willi Jasper in seiner Studie „Der gläserne Sarg“. Bild: AP

Hat liberales Denken nur noch das Ziel, an seinen Errungenschaften festzuhalten und die Subversion abzuwehren, die jetzt von rechts kommt? Die neue Bravheit könnte eine Falle sein.

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          Establishment, Verblendungszusammenhang, Subversion, System, Gegenöffentlichkeit: Wer heute solche Vokabeln gebraucht, muss wohl ein Rechter sein. Es ist schon öfter beschrieben worden, wie frühere Begriffe und Praktiken linker Fundamentalopposition in den letzten Jahren von der entgegengesetzten Seite gekapert wurden. Mag sein, dass manchen Intellektuellen, über deren Wandlung von einem Extrem ins andere man staunen konnte, es gerade diese Kontinuität der Widerspenstigkeitsform erlaubte, sich weiter eins mit sich selbst zu fühlen – auch wenn die Ziele ihrer späten mit denen ihrer frühen Bewegungen überhaupt nicht übereinstimmen.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Was aber stellt diese Konstellation mit der plagiierten Seite an? Als die „taz“ im vergangenen Jahr das Jubiläum von fünfzig Jahren „Gegenöffentlichkeit“ beging – ein Konzept, dem sie ja selber ihre Entstehung verdankt –, erklärte sie abgeklärt: „Die braucht es nicht mehr in dem klassisch verstandenen Sinne.“ Während die Dauerempörung zur Disziplin der Rechten geworden sei, stünde Linken „ein anderer Modus gut an: Coolness“. Diese Haltung spiegelte sich generell in den meisten Kommentaren zum Achtundsechziger-Jubiläum. All das, was man an der Bewegung von damals gut finden könne, sei mittlerweile in die Institutionen von Staat und Gesellschaft eingegangen, das Antiautoritäre, die Liberalität, der Minderheitenschutz, die Offenheit, die Diversität. Womit implizit gesagt ist, dass nun nichts weiter mehr zu tun bleibt, als an diesen Errungenschaften festzuhalten.

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