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Privatschulen : Das Beste fürs Kind

Die Zahl der Privatschüler hat sich verdoppelt. Vor allem in Großstädten wollen Eltern ihre Kinder nicht eine ignorante Einwanderungspolitik ausbaden lassen. Vom Verlust eines bildungspolitischen Fundaments redet niemand.

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          Es war eine eigensinnige Entscheidung, als vor anderthalb Jahren an der Torstraße in Berlin-Mitte eine private bilinguale Ganztagsschule mit Kindergarten und Vorschule ihre Pforten öffnete, die „Berlin Metropolitan School“ (BMS). Die meisten öffentlichen Schulen der Gegend waren nach der Wende geschlossen worden, weil es schlicht zu wenige Kinder gab. Doch die BMS kennt dieses Problem nicht. Ihre Wartelisten sind lang, trotz hohen Schulgelds – um die 400 Euro monatlich – und beunruhigender Streitereien in den Gründervereinen um Mitbestimmung und eine solide Finanzierung. Manche Eltern reservieren schon einen Platz, wenn das künftige Schulkind gerade mal acht Monate alt ist.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Die BMS sieht die Alphabetisierung in Englisch vor, beginnend im Kindergarten. Das kommt vielen Eltern entgegen, die für ihre Kinder eine international kompatible Ausbildung wünschen, die einige staatliche Schulen auch anbieten, doch, gemessen am Bedarf, viel zu selten. Andere Familien aber haben ihr Kind hier angemeldet, weil sie es in Sicherheit bringen wollten vor überbordenden Problemen in vielen Vierteln Berlins, in denen man ihrer Ansicht nach zwar vielleicht noch wohnen, nicht aber gefahrlos ein Kind zur Schule schicken kann.

          16.000 Euro im Jahr

          Knapp vierzig Minuten von der Berliner Innenstadt entfernt liegt der kleine Ort Rangsdorf. Auch dort hat sich am See eine private Ganztagsoberschule mit Internat etabliert, eine von vielen im sogenannten Speckgürtel der Hauptstadt. Vor sechs Jahren begann der Unterricht, noch auf einer großen Baustelle, denn das sechzehn Hektar große Gelände, das in seiner kurzen zivilen Vorkriegszeit einen Fliegerclub mit Flugplatz beherbergte, war erst 1994 von den Russen geräumt worden und sah entsprechend verwüstet aus. Viele Häuser auf dem Campus waren nicht zu retten, sie haben unspektakulären neuen Platz gemacht; und die Wildnis ringsum ist wieder eine Parkanlage, durch die sich die Schulwege bis hinunter zum See und zu den Golf- und Tennisplätzen schlängeln.

          Das Schuljahr kostet fast fünftausend Euro, im Internat, in dem siebzig der zweihundert Kinder wohnen, gar 16.000 Euro. Die meisten Schüler pendeln zwischen Berlin und der Seeschule. Ihre Eltern sind Ärzte, Anwälte oder in freien Berufen tätig, die wenig Zeit für ein geregeltes Familienleben lassen. Statt Hauspersonal kauft man dem Kind die Gesellschaft Gleichaltriger, dazu ein eher durchschnittliches, aber grundsolides Schulprogramm, dessen Erfolge sich schnell herumgesprochen haben. Mit einem benachbarten Gymnasium pflegt man engen Kontakt, besonders begabte Mathematikschüler der Privatschule etwa dürfen am staatlichen Leistungskurs teilnehmen. Derart harmonisches Nebeneinander ist eher selten, doch in Brandenburg mit seinen enormen demographischen Problemen gilt: Wer eine Schule gründet, bleibt und zieht Menschen an.

          Staatsferne als pädagogisches Konzept

          Beide Schulen, die metropolitane internationale in der Mitte Berlins wie die Stadtrandschule am See, füllen als private Lehranstalten eine Lücke im Angebot, zumal im Umland der Hauptstadt, einer Region, die sich stark verändert hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten. Insofern sind sie Privatschulen nach traditionellem Vorbild. Doch sie sind auch Beispiele eines Privatschulbooms, wie ihn Deutschland noch nie erlebt hat. Innerhalb von zwölf Jahren hat sich die Zahl der Privatschüler verdoppelt, und die Schulen, in die sie geschickt werden, erfüllen nicht mehr nur besondere Elternwünsche wie etwa die konfessionellen oder die Waldorfschulen. Auch die unbestreitbaren Vorzüge vieler Privatschulen – kleine Klassen und eine meist hochmotivierte Lehrerschaft, die von den tausend Fallstricken deutscher Schulbürokratie befreit ist – genügen nicht, den Boom zu erklären. Es hat sich etwas sehr Grundlegendes geändert – und das gibt Anlass zur Sorge.

          Der Boom, den genau zu analysieren sich lohnt – und zwar bildungspolitisch –, hat seine Schattenseiten. So tummeln sich auf dem als lukrativ hochgejubelten Markt auch Privatschulgründer, deren Staatsferne allein schon als pädagogisches Konzept verkauft wird. Und neu ist auch die Hoffnung, mit Kindern und verunsicherten Eltern sei schnelles Geld zu machen. Wer Privatschulen wie ein ganz normales Unternehmen führen will, ohne damit Erfahrungen zu haben, kann böse Überraschungen erleben – zum Beispiel dann, wenn einer der Hauptgeldgeber plötzlich am pädagogischen Konzept mäkelt und die Mittel ersatzlos aus dem Unternehmen zieht.

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