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Diskussion in Deutschland : Der Wolf, das magische Wesen

  • -Aktualisiert am

Im Wald hat er keine natürlichen Feinde, und nun ist er in der Zivilisation angekommen: Am Dienstag dieser Woche hat eine Autofahrerin im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen einen Wolf überfahren. Bild: SZ Photo

Sie haben keine natürlichen Feinde im Wald und töten ganze Schafherden: Die Diskussion über die heimischen Wölfe spaltet Deutschland – ideologisch, mythisch, juristisch.

          9 Min.

          Auf dem winderkalteten Plateau an der polnisch-tschechischen Grenze, das die Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in ihrem soeben neu ins Deutsche übertragenen Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ beschreibt, leben nur drei Menschen, jeder für sich allein. Im Wald stehen ihre Häuser – das von Matoga, das von Janina Duszejko und das von Bigfoot. Ihn, eine „winzige, sehnige Gestalt“, ein Gnom, dessen Wortschatz vor allem aus Flüchen besteht, bringt Tokarczuk gleich zu Beginn ihres fabelhaften Romans um. Der schweigsame Matoga stößt auf den Toten, als er nach dem Rechten sehen kommt, weil das Licht ungewohnt spät brennt in dessen Haus. Gelebt hat Bigfoot von dem Wald, der ihm nicht gehörte, er wusste, „...was man wem verkaufen könnte. Pilze, Beeren, gestohlenes Holz, Unterzündholz, Drahtschlingen, die jährliche Ralley mit Geländewagen, die Jagd.“ Böswillig und immer leicht betrunken fällte er Bäume zur Unzeit, fing Rehe, Hasen und Dachse in Drahtfallen, stahl, was andere vergaßen – ein Wilderer und Plünderer.

          Und nun liegt er da, ungewaschen, in Unterwäsche, in seiner unaufgeräumten Behausung, ein Untier, ein haariger, vernarbter, tätowierter Troll, im Hals einen Rehknochen. An ihm ist er erstickt.

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