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Zum „Recht auf Wissen“ : Privatheit wird Diebstahl

  • -Aktualisiert am

Google verletzt ständig das „Recht auf Wissen“

Natürlich sind es die normalen Leute, Sie und ich, denen die Vorteile dieser Wissensorganisation zugutekommen, weshalb die meisten Leute Google sympathischer finden als etwa Banken. Aber kann man wirklich begründetermaßen davon ausgehen, dass ein Modell der Wissensorganisation, das den Geschäftsinteressen von Google dient, auch der Öffentlichkeit dient? Natürlich nicht. Google funktioniert nicht deswegen so, wie es funktioniert, weil eine andere Suchmaschine unmöglich ist, sondern weil wir keine menschlichere, zugänglichere und überschaubarere Vision von der Organisation unseres kollektiven Wissens entwickelt haben. Das heißt nicht, dass es eine solche Vision nicht gibt, sondern nur, dass Google uns alle davon überzeugt hat, dass sein Modell das einzig sinnvolle ist.

Google-Chef Eric Schmidt verliert kein Wort darüber, dass Google das „Recht auf Wissen“ im Grunde ständig verletzt.

Da Google im Datengeschäft tätig ist, wird es jeden Regulierungsversuch zwangsläufig als Zensur darstellen - wie Eric Schmidts Hinweis auf das „Recht auf Wissen“ offenbart. Aber die fraglichen Informationen werden ja nicht komplett gelöscht - man kann sie weiterhin finden, wenn auch zu höheren Kosten. Sie sind einfach weniger sichtbar. Das Motto von „The Circle“, dem Unternehmen in Dave Eggers’ gleichnamigem Roman über einen Hightech-Giganten, der Google unheimlich ähnlich ist, lautet: „Geheimnisse sind Lügen. Teilen ist Anteilnahme. Privatheit ist Diebstahl.“ Hinzufügen können wir nun eine vierte Parole: Regulierung ist Zensur. Wenn ein Unternehmen wie ZestFinance - das von sich sagt: „Alle Daten sind Kreditdaten“ - mit einer ähnlichen rhetorischen Masche daherkäme, könnte man herzlich lachen. Wenn Google so verfährt, werden seine Worte mit jener Seriosität behandelt, wie sie Weisen und Philosophen zuteilwird, nicht gierigen Unternehmen.

Eric Schmidt verliert kein Wort darüber, aber Google verletzt ständig das „Recht auf Wissen“. So werden schon jetzt Suchergebnisse aus Trefferlisten entfernt, wenn die Anfrage von Inhaltsanbietern kommt (Verlagen, Filmstudios, Musikproduzenten), die ihre eigenen juristischen Wege haben, von Google zu verlangen, dass Links zu urheberrechtlich geschütztem Material gelöscht werden. Die billige Ausrede, der Europäische Gerichtshof verlange etwas technisch Unmögliches, trifft ins Leere: Googles Praxis kommt dem ziemlich nahe.

Ein Recht, für das einzutreten sich lohnen würde

Wenn dieser Weg aber Vermarktern von urheberrechtlich geschützten Werken offensteht, warum sollte er nicht auch den Bürgern offenstehen, deren Ansprüche nicht weniger legitim sind? Und warum ist Eric Schmidt das Recht auf Wissen im erstgenannten Fall egal? Weil die Anbieter besser organisiert sind als der Normalverbraucher (und ebenso einflussreiche Lobbyisten haben wie Google)?

Es reicht nicht, dass Google die Gerichtsentscheidung akzeptiert. Entscheidend ist, wie das Urteil umgesetzt wird. Sobald Google Links zu illegal angebotenen Filmen oder Büchern entfernt, wird unten auf der Seite gewöhnlich darauf hingewiesen, wie viele Links aus welchem Grund entfernt wurden. Ein ähnliches Verfahren wäre auch für das „Recht auf Vergessenwerden“ vorstellbar, doch das könnte zu einem Desaster führen, das noch viel schlimmer ist als die jetzige Situation.

Würden Sie jemanden einstellen, auf dessen Trefferliste sich der Hinweis findet, dass gewisse unerwünschte und rufschädigende, unüberprüfbare Links entfernt wurden? Zu erfahren, dass jemand auffällt, ohne genau zu wissen, worin dieses auffällige Verhalten besteht, ist oft schlimmer als das Wissen, was derjenige konkret getan hat. Unsere Phantasie kann viel stärker sein als die Realität. Ein Hinweis würde hier mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Das Recht zu wissen, wie Googles rhetorische und technische Praxis von seinen Geschäftsinteressen geprägt wird - das wäre in der Tat ein Recht, für das einzutreten sich lohnen würde.

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