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Unsere Zukunft mit „Big Data“ : Lasst euch nicht enteignen!

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VIII. Was ist Mut?

Zum Schluss meiner Überlegungen komme ich noch einmal auf Orwell zurück. In seiner vernichtenden Rezension von James Burnhams Bestseller der vierziger Jahre „Das Regime der Manager“ tadelt Orwell Burnham wegen der „sensationellen“ Widersprüche in dessen Vorhersage des Ausgangs des Zweiten Weltkriegs. Wie Orwell schreibt: „An jedem Punkt wird sich zeigen, dass Burnham eine Fortsetzung dessen, was gerade geschieht, vorhersagt. Nun ist diese Tendenz nicht einfach nur eine schlechte Gewohnheit, wie etwa Ungenauigkeit oder Übertreibung, die man durch eine Anstrengung des Denkens korrigieren kann. Es handelt sich um eine ernste geistige Krankheit und ihre Wurzeln liegen teils in Feigheit und teils in der Anbetung der Macht, was sich nicht gänzlich von Feigheit trennen lässt.“

Ich behaupte, dass es feige ist, die gegenwärtigen Fakten zu akzeptieren, als ob sie zwangsläufig so sein müssten, wie sie sind. Mut fordert den Blick über diese Tatsachen hinaus – trotz der vom heutigen Überwachungskapitalismus beschworenen kollektiven Intentionalität und seines Anspruchs auf unsere Zukunft.

Als Beispiel für eine solche Art von Mut wende ich mich dem Mann zu, dessen Ausstrahlung das heutige Kolloquium inspiriert. Er ist verantwortlich für die große digitale Debatte in Deutschland, die bereits Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlässt. Frank Schirrmacher – Herausgeber seines geliebten Feuilletons, des intellektuellen Kraftwerks der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ – lebte Orwells Art von Mut in jedem Augenblick. Frank weigerte sich, die Zukunft den heutigen kontingenten digitalen Machtverhältnissen zu überlassen. Dies sei, so sah er es, die Debatte überhaupt. Ihm war klar, dass sie uralte politische Fragen unter dem Deckmantel zeitgenössischer Sprache verdeckte: Herr oder Knecht? Heimat oder Exil? Und ihm war klar, dass diese Fragen Teil der ewigen Wiederkehr sind, Fälle, die an jedem Tag der Menschheit immer wieder von Neuem verhandelt werden müssen.

Frank Schirrmacher glaubte, dass die Medien nicht nur in der Lage seien, die Avantgarde in diesem Kampf zu bilden, sondern es sogar müssen. Er wollte, dass die Medien neuen synthetischen Deklarationen eine Stimme verleihen – so wie sie Edward Snowden eine Stimme verliehen. Er verstand auch, wie Milton Friedman einige Jahrzehnte zuvor listig bemerkt hat, dass neue Gesetze immer auf Änderungen der öffentlichen Meinung folgen, die zwanzig oder dreißig Jahre zuvor eingetreten sind. Frank Schirrmacher widmete sich der Aufgabe, das öffentliche Bewusstsein zu sensibilisieren, um ein neues Gefühl kollektiver Intentionalität zu formen und letztlich neue institutionelle Fakten zu schaffen. Er wusste, dass dies notwendig ist, damit in einigen Jahrzehnten unsere Gerichte, unsere Regierungen und unsere Ausprägung des Kapitalismus zu ihren ursprünglichen Quellen der Legitimität in unseren Ansprüchen, unserem Wohlergehen und unseren demokratischen Prinzipien zurückkehren können.

Im vergangenen Jahr waren es die Medien – besonders hier in Europa –, die sich den etablierten Fakten des großen Schmuggels und der digitalen Zukunft furchtlos entgegengestellt haben. Da Amerika zögert, synthetische Deklarationen zu entwickeln, die uns über den Überwachungskapitalismus hinaus führen können, bleibt Europa unsere größte Hoffnung im Hinblick auf diese weltgeschichtliche Herausforderung. Europa muss die Fackel übernehmen und einen Weg in eine neue Heimat bahnen.

Behalten Sie Ihren Mut. Wir stehen erst am Anfang und es stimmt, dass Anfänge furchteinflößend sind. Aber, wie Hannah Arendt es formuliert hat, mutet jeder Anfang aus der Perspektive der Prozesse, die er unterbricht, wie ein Wunder an. Die Begabung, Wunder zu tun, ist überaus menschlich, so ihre Argumentation, weil sie die Quelle aller Freiheit ist.

Mögen wir gemeinsam Frank Schirrmachers Erbe weiterführen, indem wir uns an der Schaffung vieler großartiger und schöner neuer Tatsachen beteiligen, welche die digitale Zukunft als Heimat der Menschheit zurückgewinnen.

Das soll unsere Erklärung sein.

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