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Unsere Zukunft mit „Big Data“ : Lasst euch nicht enteignen!

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Diese Überwachungspraktiken stellen tiefe Verletzungen dar – materielle, psychische, soziale und politische – die wir erst jetzt zu verstehen lernen, vor allem wegen des geheimen Ablaufs dieser Operationen. Wie die kürzliche Empörung über die Absicht des britischen Nationalen Gesundheitsdiensts, Patientendaten an Versicherungsunternehmen zu verkaufen, zeigt, sind die „Big Data“ des einen die Hehlerware des anderen. Der neutrale technokratische Euphemismus „Big Data“ kann treffender bezeichnet werden als „große Schmuggelware“ oder „große Piratenbeute“. Mein Interesse betrifft hier weniger die Details dieser Überwachungspraktiken, als vielmehr den Grund, weswegen sie geduldet wurden und was man dagegen unternehmen kann.

VI. Die Internetunternehmen deklarieren die Zukunft

Die Antwort auf die Frage, weswegen sie geduldet wurden, ist offensichtlich: Deklaration. Wir haben nie gesagt, dass die Unternehmen diese Daten von uns nehmen durften. Sie haben sie einfach als etwas deklariert, das sie nehmen durften – indem sie es genommen haben. Mit den Worten und Taten dieser Deklaration wurden institutionelle Fakten geschaffen. Nutzer wurden zu unbezahlten Arbeitskräften gemacht – ob es sich dabei um Knechtschaft oder Ehrenamt handelte, ist etwas, wäre zu diskutieren. Unsere Leistungen wurden zu „Abgasen“ erklärt, zu Abfall ohne Wert, damit wir ohne Widerstand enteignet werden konnten. Wüstes Land lässt sich leicht beanspruchen und kolonisieren. Wer würde gegen die Umwandlung von Abfällen in Werte protestieren? Da die neuen Datengüter durch Überwachung produziert wurden, stellen sie eine neue Art von Gütern dar, die ich „Überwachungsgüter“ nenne. Wie deutlich geworden ist, ziehen Überwachungsgüter erhebliches Kapital und Investitionen an, die wir – so mein Vorschlag – „Überwachungskapital“ nennen. So hat die Deklaration eine radikal losgelöste und ausbeutende Variante des Informationskapitalismus etabliert, die ich als „Überwachungskapitalismus“ bezeichnen möchte.

Diese neue Marktform bringt sowohl neue moralische und soziale Schwierigkeiten als auch neue Risiken mit sich. Wenn etwa jene Deklarationen angezweifelt werden, die den Überwachungskapitalismus etabliert haben, könnten wir entdecken, dass „Big Data“ mit illegalen Überwachungsgütern gespickt sind, deren Eigentumsrechte zum Gegenstand juristischer Anfechtungen und Haftungsfragen werden. In einer alternativen sozialen und juristischen Ordnung würden Überwachungsgüter zu toxischen Werten, welche die globalen Datenströme durchsetzen – ebenso wie faule Immobilienkredite in Finanzinstrumente eingerührt wurden, die an Wert verloren, als ihre Statusfunktion von neuen Fakten in Frage gestellt wurde.

Am wichtigsten ist es, zu verstehen, dass diese Logik der „Akkumulation durch Überwachung“ eine völlig neue Spezies darstellt. In der Vergangenheit bildeten Bevölkerungen ein Reservoir von Angestellten und Konsumenten. Im Überwachungskapitalismus werden die Bevölkerungen nicht mehr angestellt oder bedient. Stattdessen sollen ihre Verhaltensdaten abgeschöpft werden.

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