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Unsere Zukunft mit „Big Data“ : Lasst euch nicht enteignen!

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Unser neues Zeitalter wird letztlich durch die Ideen geprägt werden, die uns die Kraft verleihen, neue Formen des Marktes und neue Institutionen zu fordern. Das Leben im Jahre 2050 hängt von solchen noch nicht eingetretenen Entwicklungen ab; wenn wir zurückschauen, werden wir die heutige Zeit, unsere Zeit, als den Anfang sehen.

III. Wie die Zukunft gestaltet wird

Wie wird die Zukunft gestaltet? Der Philosoph John Searle beantwortet diese Frage in seinem Buch „Wie wir die soziale Welt machen: Die Struktur der menschlichen Zivilisation“. Ich möchte ein paar seiner Ideen vorstellen – gerade so viele, um uns mit einigen entscheidenden Werkzeugen auszustatten.

Nehmen Sie einen Geldschein und sehen Sie ihn sich genau an. Er ist ein Streifen Papier, nichts weiter. Aber wir sind uns einig, dass Sie ihn für ein Abendessen, ein Paar Schuhe oder ein Studium am College eintauschen können. Für Searle hat der Papierstreifen aufgrund unserer „kollektiven Intentionalität“ eine „Statusfunktion“ geerbt, die ihn und Millionen anderer Dinge mit einer bestimmten Bedeutung und Macht ausstattet. „Statusfunktionen“ und die Macht, die sie verleihen, bringen hervor, was Searle „institutionelle Fakten“ nennt. Sie sind der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält. Diesen Klebstoff erschaffen wir.

 Wenn die digitale Zukunft unsere Heimat sein soll, dann sind wir es, die sie dazu machen müssen: Shoshana Zuboff bei ihrer Eröffnungsrede am Sanssouci Media Colloquium letzte Woche

Wir erschaffen diese „Fakten“ durch eine einzigartige Weise des Redens und Handelns, die Searle „Deklaration“ nennt. Deklarationen etablieren institutionelle Fakten, die es zuvor nicht gab. Sie leisten zwei Dinge: Sie beschreiben die Welt und sie verändern die Welt. Eine Deklaration erreicht dies, indem sie die Welt so beschreibt, als ob die beabsichtigte Veränderung bereits eine Tatsache wäre. Wenn ich zum Beispiel sage „Ich entschuldige mich“, dann mache ich das, indem ich es sage. Oder: „Alle Menschen sind gleich geschaffen“. Das ist eine Deklaration, denn sie behauptet eine Realität, indem sie die Welt beschreibt, als ob die gewünschte Veränderung bereits eingetreten wäre. Allein über etwas zu reden oder sich auf etwas zu beziehen – oder in Hinsicht darauf zu handeln – erhöht seine Realität, indem es als etwas anerkannt wird, was bereits existiert. Deklarationen werden genährt von Willen, Imagination und Begehren. Searle zeigt auf, wie jedwede institutionelle Realität und damit die gesamte menschliche Zivilisation durch solche Deklarationshandlungen erschaffen wird.

Was macht Deklarationen erfolgreich? Deklarationen sind in dem Maße erfolgreich, in dem andere sie akzeptieren. Manchmal geschieht dies durch direkte Einigung oder durch Autorität, die auf Sachkenntnis oder politischem Verständnis beruht. Manchmal ist Überredung nötig, um Akzeptanz zu erzielen. Manchmal wird die Einigung mit einer Art quid pro quo erkauft. Wenn all das scheitert, kann Gewalt oder ein ähnliches Mittel angewandt werden, um jede andere Möglichkeit auszuschalten. Aber Leute akzeptieren oftmals institutionelle Fakten auch bloß deswegen, weil sie deren Bedeutung nicht verstehen. Sie akzeptieren einfach, dass die Deklarationen die natürliche und notwendige Ordnung der Dinge darstellen.

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