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Online-Arbeit auf Abruf : Wer schützt die Clickworker?

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Schon heute sind für sechzig Prozent der „Turker“ die Einnahmen auf der Plattform die wichtigste Einnahmequelle. Die Anzahl akzeptierter oder abgelehnter Ergebnisse der Crowdworker ist für die Auftraggeber sichtbar, dagegen gibt es für das Verhalten der Auftraggeber, zum Beispiel für ihre Zahlungs- und Kommunikationsmoral, keinerlei Reputationssystem.

Die Beweggründe für Menschen, sich solchen oder ähnlichen Arbeitsbedingungen zu fügen, sind unterschiedlich. Manche haben keine Wahl, andere arbeiten dort nur nebenbei oder schätzen die Flexibilität solcher Arbeitsverhältnisse oder den einfachen Zugang zu Arbeit.

Die Weltbank hat Milliarden für Investitionen in Smart Devices für Menschen in den Ländern des Südens freigegeben, damit mehr Menschen an der digitalen Arbeit teilhaben können. Wenn sich Crowdworking weiter ausdehnt, müssen sich die Machtverhältnisse zugunsten der Crowdworker verändern. Wir brauchen aber auch dort faire Arbeitsbedingungen und ein Mindesteinkommen, damit es nicht zu einer Amazonisierung der Arbeitswelt kommt.

Wir brauchen internationale Arbeitsschutzbestimmungen

Wir stehen an einem Scheideweg. Die Chancen der Digitalisierung drohen zunichtegemacht zu werden. Das Vertrauen ins Internet kehrt nur zurück, wenn sich alle wichtigen Akteure dazu verpflichten, das digitale Zeitalter fortschrittlich und sozial zu gestalten.

Folgende Maßnahmen wären wichtige Schritte zu einem Internet der Menschen: ein gesellschaftliches Bündnis für eine freiheitliche, sozial gerechte Digitalisierung; ein verbindliches Leitbild für gute digitale Arbeit auf Basis einer soliden Technikfolgenabschätzung, mehr Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte beim Datenschutz und für die Sicherung von Beschäftigung; dazu der Erhalt und der Ausbau der in Europa und Deutschland geltenden Standards, zum Beispiel beim Datenschutz, insbesondere auch im Arbeitsverhältnis.

Hinzu kommen auch über Europa hinausreichende internationale Forderungen: Bei Verhandlungen, wie denen über das transatlantische Freihandelsabkommen, müssen Standards endlich eingehalten werden. Es ist überfällig, dass beispielsweise Amerika endlich Grundnormen des Arbeitslebens, wie sie in den Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation niedergelegt sind, akzeptiert und unterzeichnet.

Es müssen nicht nurfür Beschäftigte, sondern auch für Selbständige wie Crowdworker Mindestarbeitsbedingungen gelten. Mit neuen Zertifizierungsverfahren sollte Software klassifiziert werden, um zwischen „datenschutzrechtlich unbedenklich“ und „datenschutzrechtlich unzulässig“ unterscheiden zu können. Selbst Hochschulen benötigen mehr Möglichkeiten für kritische Reflexionen der Digitalisierung ihrer Arbeitswelt.

Es ist grundsätzlich notwendig, Berichtspflichten für Unternehmen hinsichtlich ihres Arbeitnehmerdatenschutzes und des Schutzes der Persönlichkeitsrechte durchzusetzen. Niemand will das Internet abschalten. Aber wir wollen es zurückhaben und die Potentiale für die Entwicklung und den Erhalt einer freien, demokratischen und gerechten Gesellschaft nutzen.

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