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Online-Arbeit auf Abruf : Wer schützt die Clickworker?

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Die Gewerkschaften werden das Abwägen der Potentiale und Gefahren der „vierten industriellen Revolution“ und der Digitalisierung aller Lebensbereiche nicht der Wirtschaft und auch nicht der technischen Wissenschaft überlassen. Wir sehen uns stattdessen als Gestalter der gravierenden Umbrüche.

Was bedeutet „Industrie 4.0“ tatsächlich für Beschäftigte? Die Unternehmen wollen möglichst viel Geld verdienen. Dass dabei gleichberechtigt die Interessen einer demokratischen, auf sozialen Ausgleich bedachten Gesellschaft und von Beschäftigten berücksichtigt werden, dafür müssen wir sorgen.

Die intelligente Fabrik, aber auch das smarte Büro verlangen und verarbeiten Unmengen von Informationen. Gerade auch über die Menschen, die dort arbeiten. Schon heute sind laufende Prozesse der Informationsverarbeitung nicht mehr aus der Arbeitswelt wegzudenken.

Daten werden erfasst und verknüpft, beispielsweise in Form von Customer-Relationship-Systemen oder in Software für das Human Capital Management. Das lückenlose Tracking von Bewegungen, Tätigkeiten und Leistung ist technisch machbar, wirtschaftlich wahrscheinlich sinnvoll, aber politisch und ethisch sehr oft inakzeptabel. Nur: Wer setzt die Grenzen?

Zunehmende Überwachung

In mitbestimmten Unternehmen fechten Betriebsräte und Gewerkschaften diesen Kampf heute fast täglich aus. Betriebsräte haben zwar Mitbestimmungsrechte bei der Einführung von sogenannten technischen Überwachungseinrichtungen. Diese Rechte hinken aber der technischen Entwicklung beträchtlich hinterher. Für das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), das den Umgang mit Daten von Bürgern und Beschäftigten regelt, und für das Betriebsverfassungsgesetz gilt, dass die Gesetze dringend einer Überarbeitung bedürfen. Zudem muss auch endlich ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz verabschiedet werden, das die spezifische Abhängigkeit der Beschäftigten im Arbeitsverhältnis anerkennt und berücksichtigt.

Hinzu kommt die Notwendigkeit von Arbeitnehmerschutzregelungen auf europäischer Ebene. Denn nur international wird sich ein wirksamer Schutz erreichen lassen. Zu den Forderungen gegen die Auswüchse des Datenhungers zählen auch technische Mittel, etwa das automatische Löschen von Informationen nach bestimmten Zeiträumen.

Snowdens Enthüllungen zeigen auch, dass niemand vor Industriespionage sicher sein kann. Mangelnde Datensicherheit stellt die Wachstums- und Geschäftsmodelle derzeit stark in Frage. Immer mehr Kunden von IT-Dienstleistern legen deshalb Wert auf eine deutsche Cloud, in der die hiesigen Sicherheitsstandards gewahrt bleiben. Allerdings ist es fraglich, ob Kapselung und Lokalisierung tatsächlich einen besseren Schutz bieten.

Weniger Arbeitsrechte

Crowdworking-Plattformen wie „Mechanical Turk“ oder „Clickworker“ werfen weitere Fragen auf. Es handelt sich dabei um Marktplätze für Arbeit im Internet, die allesamt durch eine große Machtasymmetrie zwischen Auftraggebern und Crowdworkern gekennzeichnet sind. Der durchschnittliche Stundenlohn bei „Mechanical Turk“ liegt bei 1,25 Dollar und damit weit unter dem amerikanischen Mindestlohn. Dazu kommen Probleme neuer Entgeltmodelle. Eine Aufgabe kann von mehreren Crowdworkern gleichzeitig übernommen werden. Bezahlt wird aber nur, wer zuerst eine Lösung einreicht, die die Anforderungen des Crowdsourcers erfüllt.

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