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Google und Facebook : Die Macht der Monopole

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Sie sehen alles, sie wissen alles: So sieht man Google, Facebook und Co. zumindest beim Düsseldorfer Karneval. Bild: dpa

Die Politik muss sich mit dem Einfluss der Online-Konzerne befassen. Doch wie reguliert man Google, Facebook und Co.? Vielleicht können wir Anreize schaffen.

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          Missbrauch von Marktmacht: Wenn die EU-Kommission dieser Tage harte finanzielle Sanktionen gegen Google einleitet, geht es allein um den Schutz des Wettbewerbs. Weltumspannend rückt seine Suchmaschine anscheinend nur das nach vorne, was Google nutzt. Der Verbraucher glaubt, mit einer Google-Suche Transparenz durch Preisvergleiche zu schaffen. Tatsächlich bekommt er aber keine neutrale Auswahl dessen, was für ihn wirtschaftlich ist, sondern unterstützt unwissentlich das Geschäftsmodell von Google. Das harte Vorgehen der Wettbewerbskommission ist daher richtig. Es schützt den Wettbewerb und damit den Verbraucher. Aber die Beeinflussung von Verbrauchern im Netz ist nicht nur ein Wirtschaftsthema, und die kritische Aufmerksamkeit von Staat und Gesellschaft darf dort nicht enden.

          Keine Debatte um die aktuelle Entwicklung der Netzwirtschaft kommt derzeit ohne die Schlagwörter Monopolstellung, Meinungsmacht und Medienkonvergenz aus; verdichtet gilt dies vor allem hinsichtlich der Marktstellung und des Marktverhaltens weniger Unternehmen wie Google, Facebook und Co. Beide sind in bestimmten Marktsegmenten Monopolisten, beide haben großen Einfluss auf die Meinungsbildung durch die Selektion und den Transport von Informationen in riesigem Ausmaß, und beide stehen für ein Verschmelzen bisher getrennter Medien, die sogenannte Medienkonvergenz.

          Systemrelevanz der Monopolisten

          Die Politik hat schon längst erkannt, dass hier ein Problem herangewachsen ist, denn beide Internetgiganten sind nicht nur mächtig. Sie sind so beherrschend, dass man in bestimmten Zusammenhängen schon fast von einer Systemrelevanz sprechen könnte, denn welche fundierte Recherche kommt heute noch ohne eine zumindest flankierende Google-Suche aus, oder wie sollen heute Zielgruppen, die keine Zeitung mehr lesen, überhaupt noch ohne Facebook und Co. erreicht werden?

          Die aus der Monopolstellung folgende Marktmacht ist nicht vom Himmel gefallen, aber es war eine vergleichsweise schnelle Entwicklung. Teilweise zu schnell für die Langwierigkeit parlamentarischer Gesetzgebungsverfahren. Befördert wurde diese Entwicklung insbesondere von einem Geschäftsmodell, das prototypisch für viele Internetunternehmen ist: Das Angebot ist kostenfrei, die Nutzer zahlen „nur“ mit ihren persönlichen Daten. Anders gesagt: Die Nutzer des Dienstes sind das eigentliche Produkt, und der eigentliche Markt ist nicht der mit dem Endkunden, sondern der Markt mit den Werbekunden.

          Problematisch ist dies insbesondere, da die Nutzer der Dienste in der Regel über diese Rolle bewusst im Unklaren gelassen werden. Dass die Suche nach einem bestimmten Produkt dazu führt, dass dieses und ähnliche Produkte die nächsten Tage die Werbeanzeigen auf besuchten Internetseiten dominieren, ist noch die harmloseste Folge. Die wahre Gefahr liegt in einer unkontrollierten Korrelation verschiedener Datenquellen und der Profilbildung. Die Vorhersehbarkeit menschlichen Verhaltens wird damit immer treffgenauer; vielleicht auch seine Steuerung.

          Kaufentscheidung per Algorithmus

          Es ergeben sich weitere Auswirkungen: Wenn ein Großteil des Internetwerbemarktes von wenigen Unternehmen kontrolliert wird, bündeln diese monopolistischen Strukturen eine sehr erhebliche Meinungsmacht. Neben dem Konsumverhalten könnte auch die politische Agenda beeinflusst werden. Wer mittels Algorithmen Kaufentscheidungen beeinflusst, der hat auch die Möglichkeit, Einstellungen und Trends, Gesellschaft und Politik zu beeinflussen.

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