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Google-Debatte : Unsere Waffen im digitalen Freiheitskampf

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Vertreter im digitalen Zeitalter

Natürlich lässt Google die Zutaten, die wir so geflissentlich anliefern, nicht unbearbeitet. Aus Informationspartikeln erwachsen Datenraster, welche wiederum zu Netzen versponnen werden mit dem Ziel, aus Lesern Käufer zu machen, die Welt der Lektüre in den Orbit des Konsums zu transformieren, das Idealistische in das Materialistische zu verwandeln. Wer liest, wird gelesen, wer kauft, wird selbst zum Produkt, so hat Frank Schirrmacher den Kern von Googles Geschäftsidee freigelegt. Fast dreizehn Milliarden Dollar verdiente das Unternehmen im vergangenen Jahr, vor allem durch das Verfügbarmachen von Lesestoff und Leserdaten gegenüber der Werbewirtschaft.

Wobei auf Seiten der Werbewirtschaft, spiegelverkehrt zu Döpfners Ängsten, eine Euphorie herrscht, die ebenfalls nur sehr lose mit der Wirklichkeit verbunden ist. Dem mündigen Internetbürger entgeht nicht, welche Anzeige ihm da von Seite zu Seite nachstiefelt; er ist dabei, Allergien zu entwickeln. Der Leser will, darf und wird sich nicht zur willenlosen Kauf- und Konsummaschine reduzieren lassen. Der Freiheitsdrang mag degeneriert sein, verschwunden ist er nicht. Stalking bildet auch im wahren Leben nicht das Vorspiel zur Eheschließung.

Die datengesteuerte Werbung im Internet erinnert mittlerweile auf fatale Weise an die Drückerkolonnen der frühen Nachkriegsjahre, als man Kosmetika, Plastikschüsseln, Zeitschriften und Lebensversicherungen an der Haustür vertrieb, ach was - verhökerte, verkloppte, aufschwatzte, nur dass die Avatare der damaligen Drücker heute englisch mit uns reden. Ihre Haustür ist unser Computerbildschirm, auf dem die Abgesandten aus der Welt der künstlich erzeugten Bedürfnisse mit Push-Mails, Overlayern und Pop-up-Windows unentwegt auf- und abmarschieren.

Mittäterschaft der Medienhäuser

Selbst das Ignorieren der Anzeigenformate trägt noch zum Aufwachsen jener Datenprofile bei, die sich an der Entschlüsselung der menschlichen Begierden und Sehnsüchte versuchen. Google stellt jährlich einen Forschungsetat von rund acht Milliarden Dollar bereit - eine Summe, die dem Sechsfachen der addierten Jahresgewinne von Springer, Burda, Bertelsmann und Holtzbrinck entspricht -, um aus diesem Datenuniversum heraus neue Produkte zu entwickeln: die Datenbrille, das selbstfahrende Auto, den Haushaltsroboter, die Drohne.

Das Projekt Google Brain, bei dem versucht wird, das menschliche Gehirn nachzuahmen und, wenn möglich, zu übertreffen, zeugt nicht, wie vielfach behauptet, vom Größenwahn der Google-Mitarbeiter, sondern von ihrer realistischen Selbstsicht. Wenn es derzeit eine Firma gibt, die sich mit Aussicht auf Erfolg in diese Gotteszone begeben kann, dann ist es Google.

Politik und Medienhäuser haben diese Ungeheuerlichkeit in der Morgenröte des frühen Internet möglich gemacht, nicht ahnend, dass es sich um eine Ungeheuerlichkeit handeln könnte. In der Bewusstwerdung unserer Mittäterschaft aber liegt, in dialektischer Verkehrung der bisherigen Geschichte, das Zentralmoment unserer Befreiung. Denn Problem und Lösung, das ist die Erkenntnis, auf die es hier ankommt, wohnen unter einem Dach, dem unsrigen, weshalb wir auf dem Höhepunkt der Google-Macht unverhofft die Waffen der Entthronung in Händen halten. Die neue, aufgeklärte Sicht auf Googles Macht ist dafür die wichtigste Voraussetzung.

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