https://www.faz.net/-gsf-7pmz5

Google-Debatte : Eine Gefahr für den Verbraucher

  • -Aktualisiert am

Monique Goyens, Generaldirektorin des Europäischen Verbraucherverbandes, antwortet Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia Bild: picture alliance / dpa

Nun wirft auch Europas oberste Verbraucherschützerin Google vor, Suchergebnisse zu manipulieren. Sie attackiert EU-Wettbewerbskommissar Almunia.

          6 Min.

          Google-Nutzer befinden sich in einer Situation, die man mit einer virtuellen geschlossenen Wohnanlage vergleichen kann, etwa mit Firmenstädten des neunzehnten Jahrhunderts. Die Bewohner dieser Anlagen konnten sich frei bewegen, solange sie nur auf dem Gelände des Unternehmens blieben. Auch konnte man einkaufen, was man wollte - vorausgesetzt, die gewünschten Waren wurden in den Geschäften der Firmenbesitzer angeboten. Damals wie jetzt fehlte es den Menschen, objektiv betrachtet, an nichts, aber nur um den Preis Lasten eines gewaltigen Abhängigkeitsverhältnisses.

          (English Version: „A danger for the consumer“ by Monique Goyens)

          Auf Grund der Vielfältigkeit des World Wide Web sind Suchmaschinen unentbehrlich für Verbraucher, um passende Antworten auf ihre Suchanfragen zu bekommen. Internetnutzer sind täglich auf Suchmaschinen angewiesen, um sich relevante Informationen und Inhalte ihrer Wahl zu beschaffen. Google ist Europas unangefochtene Nummer eins; seine Dienstleistungen finden Anwendung in Schulen, unserem Berufsleben und unserer Freizeit.

          Googles Praxis missbraucht das Vertrauen der Nutzer

          Der Erfolg von Google fußt unter anderem auf den mantrahaften Aussagen des Unternehmens, dass die Suchergebnisse neutral und objektiv zustande kommen. Verbraucher vertrauen darauf, dass Suchergebnisse unabhängig sind und nur auf ihrer Relevanz für die Suchanfrage basieren, ohne dass die Rangfolge der Ergebnisse manipuliert wird. Im Jahr 2009 hat der damalige Google-CEO Eric Schmidt sich in dem Sinne geäußert, dass „wir sehr, sehr hart daran arbeiten, die Antworten, die Suchantworten vollständig unverfälscht zu gestalten. Wir verfälschen niemals die Rangfolge, um unseren Partnerunternehmen einen besseren Platz in unseren Suchergebnissen zu gewährleisten.“

          ------------------

          „Verbraucher würden in Zukunft, wenn sie nach einer bestimmten Kamera googeln, die teuersten Angebote an erster Stelle sehen.“

          ------------------

          Google weitet kontinuierlich seine Aktivitäten aus und entwickelt eigene Dienstleistungen und Produkte - Gmail, Youtube, Maps, Google Calendar sind einige der bekanntesten. Auf Grund seiner Rolle als Türhüter des Internets hat Google eine einzigartige Position erlangt, den Zugang der Verbraucher zu Informationen zu steuern und sich gleichzeitig persönliche Daten der Verbraucher zu beschaffen. Google links liegenzulassen und auf andere Anbieter umzusteigen ist keine wirkliche Option, wenn man bedenkt, dass die weltweite Nummer zwei, das chinesische Baidu, für die meisten europäischen Verbraucher auf absehbare Zeit mit sehr hohen sprachlichen Hürden verbunden ist.

          Google hat seine Suchmaschine mit einer „Universal Search“-Funktion ergänzt, die es dem Konzern erlaubt, seine eigenen spezialisierten (vertikalen) Dienstleistungen im Suchergebnis bevorzugt darzustellen und den Nutzer dementsprechend auf diese Ergebnisse aufmerksam zu machen. Links zu gesponserten Inhalten und eigenen Produkten werden so im Bildschirm untergebracht, dass sie die Aufmerksamkeit des Surfers erregen. Die Positionierung dieser Google-internen Produkte ist nicht die Konsequenz angeblicher neutraler Algorithmen, sondern die Folge einer bewussten Geschäftspraxis - einer Praxis, die dem Verbraucher schadet.

          Erstens grenzt Googles absichtliche bevorzugte Darstellung seiner vertikalen Produkte an Verbrauchertäuschung, da der Nutzer nicht darüber informiert wird, dass diese nicht auf Grund ihrer Relevanz für den Suchbegriff hervorgehoben worden sind. Verbraucher gehen, gerade auch aufgrund Googles eigener Aussagen, davon aus, dass Suchergebnisse auf natürliche Art und Weise zustande kommen und hinsichtlich ihrer Relevanz angeordnet werden. Dieses Vertrauen wird durch Googles Praxis missbraucht. Zweitens bedroht Google das Überleben konkurrierender Produkte, beschränkt Innovation und reduziert die Verbraucherwahl, indem es Internetverkehr hin zu seinen eigenen Dienstleistungen steuert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Moderator Ken Jebsen während einer Demonstration am 13.12.2014 vor dem Schloss Bellevue in Berlin

          Anonymous : Hacker greifen Ken Jebsen an – Webseite lahmgelegt

          Die Hacker-Gruppe Anonymous hat sich die Seite des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen vorgenommen. Dabei habe sie nicht nur zehntausende Daten zu Abonnenten erbeutet, sondern auch Informationen zu Spenden abgegriffen.

          G 7 in Cornwall : Brexit-Störgeräusche für Johnson

          Eigentlich sollte es beim G-7-Gipfel vor allem um Corona und die Herausforderung durch China und Russland gehen. Doch immer wieder muss sich Gastgeber Boris Johnson auch mit dem Streit mit der EU auseinandersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.