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Facebooks Virtual Reality : Einfach weggebeamt

Ja, wo laufen sie denn? Mit den Virtual-Reality-Brillen von Oculus ist man nicht Zuschauer, sondern Teil des Geschehens. Bild: AP

Die 3-D-Brille Oculus Rift gibt einem das Gefühl, sich tatsächlich in der virtuellen Welt zu bewegen. Facebook will mehr. Die Wirklichkeit soll in die virtuelle Welt gezogen werden. Für das Unternehmen ein klarer Fall von Weltverbesserung.

          So fühlt es sich also an, Flüchtling zu sein, dachten die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos im Frühjahr 2015. Sie trugen Bildschirme um den Kopf geschnallt und sahen darin die 12-jährige Sidra, die durch das Za’atari Camp, das größte Flüchtlingslager in Jordanien führte. Sie sahen nicht nur Sidra, sie konnten sich umsehen, den Kopf drehen, den Blick umherwandern lassen, und hatten den Eindruck, neben dem Flüchtlingsmädchen zu laufen, von anderen Kindern auf den Schotterwegen umringt zu werden und die Enge in den Zelten zu spüren.

          Carolin Wiedemann

          Freie Autorin Frankfurter Allgemeine Quarterly.

          „Mit dieser Maschine können wir Menschen zum Umdenken bewegen“, sagt Chris Milk, der Regisseur von „Clouds over Sidra“. Früher drehte Milk Videoclips für Kanye West, U2 und Courtney Love, jetzt spricht er darüber, „wie virtuelle Realität die ultimative Empathie-Maschine erzeugen kann“, etwa bei der TED-Konferenz dieses Jahr. Der technischen Entwicklung sei endlich der Durchbruch in die Virtuelle Realität gelungen, hieß es auf den Konferenzen von Facebook und Google und anderen Veranstaltungen zu digitalen Trends 2015.

          In Phantasiewelten oder in der Vergangenheit

          In den 90er Jahren war Virtual Reality, kurz VR, angeblich schon einmal das nächste große Ding, und am Ende blieb vom Hype nichts übrig als dumpfe 3-D-Spiele - der Weg hinter die Bildschirme war mühseliger als gedacht. „Doch diesmal wird es anders, diesmal wird es klappen“, sagt Michael Abrash. Er ist der wissenschaftliche Leiter von Oculus, der größten Firma in der Entwicklung Virtueller Realität, jener Firma, die Facebook letztes Jahr für 2,3 Milliarden Dollar gekauft hat.

          Die 3-D-Brille Oculus Rift macht wahr, was all die Jahre nur als Vision existierte: Eine 3-D-Umgebung ist damit so lebensnah simulierbar, dass sie echt wirkt, dass sie „Presence“ erzeugt, wie es unter den Entwicklern heißt. Mit den neuen Brillenbildschirmen vor den Augen soll man wie durch Leinwände in simulierte Umgebungen steigen, sich dort umsehen und bewegen können, in Phantasiewelten, in die Vergangenheit.

          Direktübertragung statt Videoproduktion

          Doch Virtual Reality soll plötzlich noch ganz anderes möglich machen - etwas, das diese hiesige Welt viel tiefgreifender verändern könnte: Man soll live eintauchen können in ein reales Geschehen. Mit der Brille soll man sich in Echtzeit an einen anderen Ort auf dieser Welt versetzen können, wie beim Beamen. Ganz neue Formen von Sozialität könnten damit entstehen. Und so kommentierte Mark Zuckerberg den Kauf von Oculus in einem euphorischen Post damit, dass es sich bei der Bildschirmbrille um eine Kommunikationsplattform handle, über die Freunde aus aller Welt unbegrenzt Erfahrungen und Abenteuer teilen könnten.

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