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Facebook : Die universale Volksrepublik

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In dem Moment, in dem er einwilligt, wird sein gesamtes Adressbuch bei Facebook hochgeladen. Dieses Adressbuch wird mit der bestehenden Datenbank an Nutzern abgeglichen, und am Ende sind diejenigen, die noch keinen Facebook-Account haben, identifiziert. Wenn Sie also Max Muetze sind und keinen Account haben, ihre Freunde und Bekannte aber Ihre Email bei Facebook hochgeladen haben, dann weiß Facebook: Es gibt einen Max Muetze, der hat diese Emailadresse, und der kennt diese und jene Menschen.

Vorteil gegenüber Google

Sie surfen ohne Facebook-Account auf all den Seiten, die bei Ihnen ein Facebook-Cookie setzen, Facebook sammelt Daten über Ihr Internetnutzungsverhalten, und sobald Sie sich dann irgendwann doch mit Ihrer Max-Muetze-Adresse bei Facebook anmelden, werden alle Daten miteinander verknüpft. Somit ist so oder so jeder auf Facebook.

Facebook fährt also eine Strategie, ein Internet im Internet zu bauen, und ist damit recht erfolgreich. Laut einer Umfrage des Internetmagazins „Quartz“ stimmten 65 Prozent der befragten Nigerianer, 61 Prozent der Indonesier, 58 Prozent der Inder und 55 Prozent der Brasilianer der Aussage zu, dass Facebook das Internet sei. Ausfälle von Facebook sind auch in Deutschland Anlass für Bürgerinnen und Bürger, den Notruf der Polizei zu nutzen. Facebook hat auf der ganzen Welt 1,4 Milliarden aktive Nutzer, was fast die Hälfte der Menschen auf diesem Planeten ist, die Zugang zum Internet haben.

Momentan spielt Facebook täglich (!) drei Milliarden Videos aus, die letzte Vergleichszahl von YouTube stammt aus dem Jahr 2012 und betrug vier Milliarden ausgespielte Videos am Tag. Facebook ist deswegen Google gegenüber im Vorteil, weil die Zukunft des Internets, so sieht es momentan zumindest aus, auf dem Tablet und Smartphone stattfinden wird.

Fleißige Sammler

Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Centers ist zum Beispiel für 15 Prozent der Amerikaner das Smartphone die einzige Möglichkeit, das Internet zu nutzen. Google sammelt zwar über sein Betriebssystem Android unfassbar viele Daten über die Nutzerinnen und Nutzer der Geräte, verdient aber vor allem Geld mit seinem Werbebanner-Netzwerk und der Werbung, die bei der Suche ausgespielt wird.

Facebook hingegen ist auf dem Smartphone nicht nur durch die Facebook-App vertreten, sondern auch durch den Facebook-Messenger, der 600 Millionen aktive Nutzer hat, durch WhatsApp, mit seinen 700 Millionen Nutzern und Instagram, das mit 300 Millionen Nutzern im Vergleich dazu dann wieder fast klein aussieht. Es ist davon auszugehen, dass jeder Smartphone-Nutzer zumindest eine App auf seinem Gerät hat, die in irgendeiner Form mit Facebook zusammen hängt.

Facebook kann also sehr viel Kommunikation auswerten und besitzt sehr viele Apps, um in diesen Werbung auszuspielen. Genau wie Google den alten Medien Werbeetats streitig machte, konnte Facebook mit der Story, Werbung gezielter an sein Publikum verkaufen zu können, Google die Werbeetats streitig machen.

Der Trend zumindest ist eindeutig: Setzte Facebook 2009 noch 764 Millionen Dollar mit Werbung um, waren es 2014 bereits 11,4 Milliarden. Das ist eine Versechzehnfachung des Umsatzes durch Werbung in nur fünf Jahren. Google spielt mit seinen 59 Milliarden Dollar Werbeumsatz noch in einer anderen Liga, konnte aber im selben Zeitraum den Werbeumsatz nur verdreifachen.

Selbst wenn das mit der Werbung bei Facebook scheitert, könnte es, das ist der Wahnsinn der sogenannten Netzwerkeffekte, von seinen 1,4 Milliarden Nutzern auch einfach eine Gebühr von zehn Cent pro Tag nehmen und käme so auf einen Umsatz von 51,1 Milliarden Dollar im Jahr. Wahrscheinlicher ist, dass Facebook die bereits in den Vereinigten Staaten verfügbare Funktion, über den Messenger Geld zu überweisen, auch in Europa zur Verfügung stellen wird.

Künftige Zahler

Ziel wird es sein, dass so viele Millionen Menschen wie möglich ihren Zahlungsverkehr über das Netzwerk abwickeln, mit den entsprechend dramatischen Folgen für die Banken. Da verwundert es nicht, dass Facebook im Moment versucht, Medienhäuser davon zu überzeugen, ihre Webseiten abzuschalten und sämtlichen Content direkt auf Facebook zu hosten. Am Ende stünde ein Internet im Internet, kontrolliert von einem Unternehmen, das die Regeln bestimmt.

Konzentrierte sich in der Vergangenheit die Kritik an Internetkonzernen in Deutschland vor allem auf Google, so sollte jetzt Facebook stärker ins Licht der öffentlichen und politischen Debatte gerückt werden. Fernab der Verteufelung des Datensammelns gibt es nämlich real existierende Konsequenzen dieses Sammelns zu regulieren. Ich gucke Sie an, Heiko Maas!

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