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Yvonne Hofstetter, Datenexpertin : Hijacking Google!

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Yvonne Hofstetter Bild: Röth, Frank

Multiagententechnologien und Datenfusionsmodelle bieten die Möglichkeit eine Unabhängigkeit von globalen Daten-Monopolisten zu erreichen. Einziges Hindernis sind die gigantischen Kosten.

          2 Min.

          „Google kappen“, forderte der Teilchenphysiker Rangar Yogeshwar vor kurzem in einer Talkshow der ARD. Doch Hand aufs Herz – wenn wir beste Treffer auf unsere Suchanfragen erwarten, ist der Suchmaschinengigant noch immer erste Wahl, trotz unseres mulmigen Gefühls, weil Google unsere Suchprofile speichert und analysiert, um künftig immer mehr Informationskontrolle auszuüben. Was wir uns wünschen, sind die gewohnte Trefferqualität bei gleichzeitiger Wahrung unserer Privatsphäre und die mittelfristige Unabhängigkeit von einem globalen Monopolisten.

          Teilziele können wir schon heute erreichen, wenn wir konsequent Metasuchmaschinen wie Ixquick nutzen. Der niederländische Suchmaschinenanbieter zeigt unzensierte Treffer unserer Lieblingssuchmaschine an und schützt gleichzeitig die Anonymität seiner Nutzer im Web. Doch die Vision einer europäischen Selbstbestimmung verwirklichen wir erst, wenn wir ein Netz intelligenter Multiagenten wie einen Schutzfilm zwischen uns und die Suchmaschinen auftragen. Ein Effekt ist augenscheinlich, und er ist nicht einmal neu: Nicht Menschen stellen ihre Suchanfragen, sondern Maschinen treten als Mittler zwischen Mensch und Web-Inhalten auf.

          Technologische Besserwisserei ist möglich

          Visionär im Zeitalter von Big Data sind die Intelligenz von Suchagenten, die Nutzer anhand ihrer Fragen verstehen lernen, und die Kooperation mit Wissensagenten, die über tiefes Domänenwissen verschiedenster Disziplinen wie Physik, Film oder Literatur verfügen und aus der wachsenden Datenflut im Web durch eigenständige Schlussfolgerung selbständig neue Information aus ganz heterogenen Datenquellen ableiten können – ohne dass Programmierer Rohdaten vorher explizit strukturieren müssten. So würde auch die riesige Menge frei verfügbarer Information mit maschinenlesbaren Inhalten, die „Linked Open Data“, durch maschinelle Wissensagenten optimal nutzbar gemacht. 

          Intelligente Datenfusionsmodelle verschmelzen strukturierte „Linked Open Data“ mit freien Texten oder Zahlenströmen wie Aktienkursen. Wissensagenten führen uns den nächsten Schritt in die Zukunft, weg von der Suchmaschine und hin zu einer europäischen Antwortmaschine. Ähnlich dem Jeopardy!-Spieler „Watson“, jener intelligenten Maschine von IBM mit ihren 3000 parallel arbeitenden Prozessoren, die 2011 zwei erfahrene menschliche Gegner buchstäblich spielerisch besiegte – und nebenbei noch den Quizmaster verbesserte, der eine Aufgabe falsch verlesen hatte. Technologisch ist die Besserwisser keine Utopie mehr.

          Der Aufwand lohnt sich

          Multiagententechnologie ist ausgereift, Datenfusion hochleistungsfähig, an europäischen Technologen herrscht kein Mangel. Nur der Aufwand für die Implementierung ist beträchtlich. Der hohe Arbeitsaufwand wird enorme finanzielle Mittel verschlingen und erfordert ein Umdenken bei Investoren, sowohl der öffentlichen als auch der privaten. Sie dürfen sich nicht mehr entziehen, soll es in Deutschland endlich um mehr Technologieaffinität und höhere unternehmerische Risikobereitschaft gehen.

          Denn aktuell lebt Deutschland von der Substanz vergangener Jahre und weist eine jährliche Investitionslücke von 75 Milliarden Euro gegenüber dem Euroraum aus. Ja, es fehlt am Geld. Google, Facebook, Apple & Co. sind nicht deshalb außereuropäische Unternehmen, weil Europas Unternehmer und Technologien schlechter wären als die anderer Kontinente. Visionen hat Europa durchaus und auch die Technologien für ihre Verwirklichung. Unser Erfolg hängt von unserem Mut ab.

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