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Digitale Revolution : Eine Ökonomie der Verachtung

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Was bleibt am Ende hinter dem Umhang des Zauberers? Ein machtvoller Gedanke: dieselben Technologien, mit denen sie uns ins Exil schicken wollen, können uns in die Lage versetzen, die alten Geschäftsmodelle über Bord zu werfen. „Alles Erworbene bedroht die Maschine, solange sie sich erdreistet, im Geist, statt im Gehorchen, zu sein“, schrieb Rilke. Die vielbeschworene Roboterinvasion gründet auf einer Ökonomie der Verachtung, die zu Exklusion und Stagnation führt. Wir können an ihrer Stelle eine neue Ökonomie der Menschlichkeit entwickeln, auf die verschiedene Kraftfelder einwirken. Sie wird neue Jobs hervorbringen, neue Beziehungen schaffen und für neue Formen von Teilhabe sorgen. Hinter dem Umhang des Zauberers löst sich die falsche Dichotomie von Gewinnern und Verlierern auf. Wir können es uns nicht leisten, umfassende Bildung auf eine Elite zu beschränken. Wir alle können von Technologie profitieren.

Worin ist der Mensch gut?

Neuere Studien über „neuronale Plastizität“ zeigen, dass wir alle sehr viel mehr verstehen, empfinden und leisten können, als je von uns verlangt oder erwartet wurde. Aber noch immer machen wir uns zu Gefangenen unserer Arbeitsplätze, Schulen und Krankenhäuser, deren Organisationsprinzipien sich in Jahrhunderten kaum verändert haben. Ich glaube, dass unser aller Potential nur oberflächlich genutzt wird. Mit Hilfe der IT-Technologien können wir eine Wende in der Wirtschaftsgeschichte anstoßen, indem wir in allen Bereichen - Klima, Bildung, Gesundheit - die dringlichsten Probleme angehen. Dazu braucht man Menschen, die auf neue Weise kooperieren.

Es gibt, abgesehen von Gewohnheit, keinen Grund zu der Annahme, dass Marktwirtschaft nur in einer ganz bestimmten Weise funktioniert. Das Gegenteil ist der Fall. Ein brüchiger Kapitalismus übt seine Gravitationskraft auf die digitale Welt aus. Aber die Erfolge des alten Kapitalismus beruhten auf seiner Plastizität, seiner Fähigkeit, sich immer neu anzupassen an die sich wandelnden Bedürfnisse der Menschen. Die Gesetze der heutigen Marktwirtschaft oder der von ihr inthronisierten Politik sind nicht unabänderlich oder zwangsläufig. Es wäre unrealistisch, zu glauben, wir könnten und dürften die heutigen Verhältnisse nicht in Frage stellen.

Wir müssen nicht herausfinden, „worin der Mensch richtig gut ist“. Wir wissen es schon. Wir gestalten die Welt, und wir gestalten sie besser, wenn wir die Chance haben, zu lernen und uns einzubringen. Wir lieben, und wir können besser lieben, wenn wir wissen, dass wir ebenfalls geliebt und geschätzt werden. In Rilkes Sonett heißt es weiter: „Aber noch ist uns das Dasein verzaubert; an hundert Stellen ist es noch Ursprung.“ Könnte das nicht unsere digitale Welt sein? „Ich singe den Leib, den elektrischen“, schrieb Walt Whitman, „die Heerscharen, die ich liebe, umgürten mich, und ich umgürte sie.“ Auch das könnte unsere digitale Welt sein.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork.

Der Text erscheint in der deutschen Fassung leicht gekürzt. Die englische Fassung finden Sie auf unserer Sonderseite The Digital Debate.

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