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Digitale Revolution : Eine Ökonomie der Verachtung

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Karikierte Unternehmer

Krugmans These leuchtet ein, wenn man weiß, dass es nach den Gesetzen des modernen finanzkapitalistischen Geschäftsmodells sinnvoll für Unternehmen ist, die Kosten zu senken, besonders bei den Löhnen. Dies ist eine der unsichtbaren Kräfte. Man denke auch an die geheime Absprache zwischen dem verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs und Eric Schmidt, die 2010 bei Kartellermittlungen des amerikanischen Justizministeriums herauskam. Um die Gehälter künstlich niedrig zu halten, war vereinbart worden, Mitarbeiter nicht abzuwerben und Gehaltsinformationen auszutauschen. Dieser illegale Deal, laut Bloomberg „unkalkulierbare Hybris“, bezog sich am Ende auch auf Adobe, Pixar, Intel und Intuit und führte zu Gehaltseinsparungen von mehr als neun Milliarden Dollar.

Wenn der Mensch überflüssig wird: Unternehmen investieren lieber in Technologie als in Personal.

Und hier ist noch eine andere explodierende Muschel: Die Vergütungen von Vorstandsvorsitzenden sind oft an den Aktienkurs ihres Unternehmens gekoppelt, und Analysten empfehlen vor allem solche Unternehmen, die Kosten senken. Das Institute of Policy Studies weist denn auch darauf hin, dass 2009 die Einkommen amerikanischer CEOs, in deren Unternehmen „die Lohnkosten besonders stark gesenkt wurden“, 42 Prozent über dem durchschnittlichen Einkommen von CEOs im S&P-500-Index lagen, das in dem Jahr ohnehin schon astronomisch hoch war.

NBC News berichtete darüber und merkte an: „Man darf nicht vergessen, dass der Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Unternehmens gegenüber den Eigentümern, also den Aktionären, verpflichtet ist, den Unternehmenswert zu steigern.“ Heute mag das übliche Praxis sein, in der Geschichte des Kapitalismus ist das neu. Für den Wirtschaftshistoriker Alfred Chandler hat sich dieser neue Finanzkapitalismus von dem alten Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg weit entfernt. Aus seiner Sicht ist die angebliche Unvermeidlichkeit massenhafter Arbeitsplatzvernichtung das Ergebnis einer neuen Entwicklung, die sich deutlich von der früheren Praxis unterscheidet. Geschäftsmodelle, die auf Kostensenkung und kurzfristige Erfolge setzen, seien eine hohle Karikatur dessen, was Unternehmen früher erfolgreich gemacht habe.

Flüchtlinge im eigenen Land

Das alles legt nahe, dass Arbeitsplätze nicht durch Technologie vernichtet werden, sondern durch Menschen und Geschäftsmodelle. Gier spielt eine Rolle. Automatisierung muss nicht zwangsläufig heißen, dass die Menschen mit ihren Problemlösungsfähigkeiten nicht mehr gebraucht werden. Automatisierung muss auch nicht zwangsläufig die Gewinner belohnen und die angeblichen Verlierer überflüssig machen. Man muss sich nur anschauen, welche Folgen das Geschäftsmodell der Fluggesellschaften hat.

Diese führen anschaulich vor, was passiert, wenn Arbeit im Interesse von Kostensenkungen automatisiert wird und geschlossene Regelkreise entstehen. Ob beim Ticketkauf, bei der Ankunft oder beim Abflug - Reisende haben es nicht mehr mit Angestellten von Fluggesellschaften zu tun, sondern mit einem gigantischen Computersystem und seinen unpersönlichen Schnittstellen. Reisende sind mit einem anonymen Apparat konfrontiert, in dem jeder menschliche Kontakt eliminiert wurde, abgesehen von ein paar Leuten, deren Aufgabe die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung ist. Die Kostensenkungen werden auf die Reisenden abgewälzt. Man kauft sein Ticket online, informiert sich online, muss erhebliche Zusatzgebühren bezahlen für alles, was von der Norm abweicht, und hat permanent Stress, weil es bei Problemen, Störungen oder Fragen keinen Ansprechpartner mehr gibt.

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