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Digitale Revolution : Eine Ökonomie der Verachtung

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Betrachten wir zunächst die Rhetorik von Zwangsläufigkeit und digitalem Determinismus, um zu erkennen, welche Kräfte sich dahinter verbergen. Die Macht der Irreführung offenbart sich schon in den Überschriften und Kernaussagen vieler Artikel, die auf meinem Schreibtisch liegen. Beispielsweise haben Wirtschaftswissenschaftler der Universität Chicago anhand von Daten aus fünfzehn Jahren und sechsundfünfzig Ländern festgestellt, dass die Lohnquote (mit Ausnahme von neun Ländern) überall gesunken ist. Die Ergebnisse ihrer Studie, schreiben die Autoren, bekräftigten die Annahme, dass der technologische Wandel, der mit der Computer- und Informationstechnologie einhergeht, ein wichtiger Faktor bei den langfristigen Veränderungen der Lohnquote sei.

Miteinander oder gegeneinander: Übernehmen Maschinen unsere Arbeit?

In einer Studie von zwei Wissenschaftlern der Universität Oxford heißt es, dass Computer bei einer Reihe von kognitiven Aufgaben den Menschen ersetzen werden. Die Überschrift eines Artikels in der „MIT Technology Review“ lautet: „Wie Arbeitsplätze durch Technologie vernichtet werden“. Zwei MIT-Professoren prognostizieren in „The Second Machine“ eine neue Ökonomie von Gewinnern und Verlierern: „Durch den technologischen Fortschritt werden einige Leute, vielleicht sogar viele Leute abgehängt. Gewinner werden zunehmend von digitalen Technologien profitieren, andere werden verdrängt und folglich schlechter bezahlt.“

Das Multifunktionszäpfchen

In einem vielbeachteten Artikel des „Economist“ heißt es, eine neue Ära der Automatisierung, gestützt auf immer leistungsstärkere Computer, werde zu massenhafter Arbeitslosigkeit führen. „Die Kombination von Big Data und intelligenten Maschinen wird ganze Berufszweige komplett erobern, anderswo werden Unternehmen mit weniger Beschäftigten immer mehr produzieren.“ Ein anderes Beispiel lieferte Google-Chef Eric Schmidt, als er auf dem Weltwirtschaftsforum fünfzig Prominente zum Kamingespräch bat. Seine Botschaft war, dass die technologiebedingte Jobvernichtung erst am Anfang stehe, die Ungleichheit sich noch verschärfen werde und die Lösung darin bestehe, dass wir alle Unternehmer werden müssen, wenn wir in dieser neuen Ära überleben wollen. Zwischen Computern und Menschen finde ein Wettlauf statt, und der Mensch müsse ihn gewinnen: „In diesem Kampf ist es sehr wichtig, dass wir herausfinden, worin der Mensch besonders gut ist.“

Man könnte fast vermuten, Schmidt habe die CIA-Handbücher von John Mulholland gelesen, jenem Mann, der zu seiner Zeit als Starmagier galt. Obschon nicht so berühmt wie Houdini, wurde er von seinen Kollegen für die große Präzision und Überzeugungskraft seiner Darbietungen bewundert, vor allem für das Geschick, mit dem er sein Publikum täuschte. „Für einen Trickbetrüger“, schrieb Mulholland, „ist es wichtig, dass er nicht als solcher bekannt ist oder auch nur verdächtigt wird. Er muss so normal auftreten und so natürlich agieren, dass nichts an ihm Verdacht erregt. Der Trick findet im Kopf statt. Es ist eine inszenierte Lüge. Der Trickbetrüger soll nicht das Auge, sondern die Phantasie täuschen.“

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