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Bildungsdatenstreit in Amerika : Nur Eltern dürfen fragen, wie es in der Schule war

Lernprogramme sind Datensammler und diese Daten schützenswert: Auch hierzulande werden Tablets im Unterricht eingesetzt - zum Beispiel am Domgymnasium in Magdeburg. Bild: Picture-Alliance

Der Zugriff auf Bildungsdaten entscheidet über ganze Lebenswege. Kein Wunder, dass ein amerikanischer Gesetzentwurf zum Umgang mit ihnen für Streit sorgt. Schon vor der Veröffentlichung.

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          Es ist ein großes Versprechen, das der amerikanische Präsident Barack Obama im Januar vor der für den Verbraucherschutz zuständigen Handelskommission FTC gegeben hat: Die Daten, die im Unterricht von Schülern gesammelt werden, sollen nur zu Bildungszwecken verwendet werden dürfen.

          Bislang gilt auf Bundesebene der Family Educational Rights and Privacy Act (Ferpa), ein altgedientes Gesetz, das den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gerecht wird: Ferpa trat im Sommer 1974 in Kraft und wurde Anfang 2012 um Regelungen zu den persönlichen elektronischen Daten von Schülern und Studenten ergänzt. Im Oktober 2014 hat die Industrie eine Selbstverpflichtung zum Umgang mit den Bildungsdaten ausgearbeitet, jetzt wird ein entsprechender Gesetzentwurf ins Repräsentantenhaus eingebracht. Doch schon vor seiner Veröffentlichung gibt es Streit.

          Daten, die über Lebenswege entscheiden

          Man muss sich nur einmal kurz vor Augen halten, wozu diese Daten verwendet werden können, um die Nervosität zu verstehen, mit der in Amerika verfolgt wird, wie die Anbieter von Lernsoftware mit Bildungsdaten umgehen. Zu Profilen zusammengetragen, ergeben sie ein genaues Bild der allgemeinen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft eines Kindes, seiner Auffassungsgabe und Konzentrationsfähigkeit, seiner Fähigkeiten in einzelnen Fächern, seines Einsatzes zu bestimmten Uhrzeiten, an bestimmten Wochentagen, über einen längeren Zeitraum - ein Bild, das unter der irrigen, aber verbreiteten Annahme, aus der bisherigen Entwicklung bruchlos auf die künftige schließen zu können, den weiteren Bildungs- und Karriereweg jedes Menschen beeinflussen würde. Auch ohne die Fehlzeiten und Disziplinarmaßnahmen, die ebenfalls in der schulischen Datenverwaltung abgelegt sind.

          Nicht nur für Colleges und künftige Arbeitgeber sind diese Daten interessant, sondern zum Beispiel auch für Kreditinstitute, die Rückschlüsse auf die Zuverlässigkeit ihrer Kunden ziehen wollen, für Vermieter, für Werbetreibende, die den derart Durchleuchteten Optimierungsangebote unterbreiten möchten. Und natürlich auch für die Anbieter von Lernsoftware selbst, die neben den im Unterricht eingesetzten Programmen die passenden außerschulischen Ergänzungen verkaufen wollen, damit die Kinder zu Hause maßgeschneidert am Ausgleich ihrer Schwächen arbeiten können.

          Bildungszwecke weit gefasst

          Die von der Software & Information Industry Association und dem Future of Privacy Forum im Herbst vorgelegte Erklärung legt unter anderem fest, dass die Datensätze von Schülern nicht verkauft oder für individualisierte Werbung ausgewertet, sondern ausschließlich für genehmigte Zwecke im Rahmen von Unterricht und Ausbildung verwendet werden dürfen. Die Verwendungszwecke müssen offengelegt werden und nachvollziehbar sein. Die Firmen verpflichten sich, ihre Datenschutzrichtlinien nicht ohne entsprechenden Hinweis und eine Wahlmöglichkeit zu ändern. Eltern sollen Zugang zu den über ihre Kinder gespeicherten Informationen erhalten und dort gespeicherte Fehler gegebenenfalls korrigieren lassen können. Inzwischen haben über hundert Firmen die Erklärung unterzeichnet, darunter Apple, Microsoft und - nach anfänglichem Zögern - auch Google.

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