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Hohenzollern-Debatte : Wenn Prinzen träumen

  • -Aktualisiert am

Wilhelm II., bis 1918 deutscher Kaiser, mit seinem Sohn Kronprinz Wilhelm und seinem Enkel Prinz Wilhelm von Preußen um 1928 in Haus Doorn im niederländischen Exil Bild: Picture-Alliance

Sollen die Nachfahren des letzten deutschen Kronprinzen entschädigt werden? Die vorgelegten Gutachten fördern zwar wichtiges Tatsachenmaterial zutage – verwechseln aber Recht und Moral. Ein Gastbeitrag.

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          Georg Friedrich Prinz von Preußen hat die erstaunliche Leistung vollbracht, einen neuen Historikerstreit auszulösen. Der Urenkel des letzten deutschen Kronprinzen verlangt vom deutschen Staat Entschädigung für den Grundbesitz seines Urgroßvaters, der nach 1945 im Rahmen der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone enteignet wurde. Das Entschädigungsverfahren hat mehrere Historiker auf den Plan gerufen, die sich eine Gutachtenschlacht über das Verhältnis von Kronprinz Wilhelm (1882 bis 1951) zum Nationalsozialismus liefern, des Mannes also, der als Wilhelm III. Deutscher Kaiser und König von Preußen geworden wäre, hätte nicht die Revolution von 1918 den Hohenzollern einen Strich durch die dynastische Rechnung gemacht.

          Die entsprechenden Kontroversen überdecken freilich, dass für das Verwaltungsverfahren und die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Potsdam nicht die Werturteile von Historikern maßgeblich sind, sondern das geltende Recht. Hier geht es konkret um das 1994 erlassene Ausgleichsleistungsgesetz. Es begründet Entschädigungsansprüche für Personen, die ihren Grundbesitz durch Enteignungen in der Sowjetischen Besatzungszone verloren haben, und deren Erben. Von derartigen Ansprüchen nahm der Gesetzgeber allerdings ausdrücklich solche Personen aus, die dem nationalsozialistischen oder dem kommunistischen System erheblichen Vorschub geleistet hatten. Er knüpfte damit an eine Reihe ähnlicher Normen im bundesdeutschen Lastenausgleichsrecht an.

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