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Der Fall Siegfried Mauser : Solidarität zu 99 Prozent hat Folgen

Der Wortlaut des Sitzungsprotokolls

Leserbriefe müssen nicht kolportiert werden. Worauf bezieht sich der Kolportage-Vorwurf der Pressemitteilung? Der Komponist Moritz Eggert, der in seinem Blog bei der „Neuen Musikzeitung“ den Fall Mauser mehrfach kommentierte und von Mausers Verteidigung als Drahtzieher einer Intrige gegen ihren Mandanten dargestellt wurde, hat eine Äußerung des Präsidenten Krüger aus einer Akademiesitzung öffentlich gemacht: 99 Prozent der Akademiemitglieder stünden hinter Mauser. Wenn das Zitat stimmt, ist die Pressemitteilung irreführend: Der Präsident konnte in einer von ihm geleiteten Sitzung eine solche Äußerung nicht als Privatperson tun.

Stimmt das Zitat? Michael Krüger hat gegenüber dieser Zeitung aus dem Protokoll der Sitzung der Akademie vom 1. Juni 2017 zitiert: „Zur Angelegenheit Siegfried Mauser merkt Herr Krüger an, dass er persönlich, als einfaches Akademie-Mitglied, die Freude einiger anderer über die Verurteilung S. Mausers keinesfalls teilt. Unter dem Beifall aller Anwesenden spricht er vom Ziel der Akademie, Freunden auch in schwierigen Situationen beizustehen, vor allem wenn sie, wie im Fall Mauser, noch nicht rechtskräftig verurteilt sind.“

Das Protokoll beweist, dass die Pressemitteilung nicht nur irreführend, sondern falsch ist. Krüger äußerte sich ausdrücklich als Akademiemitglied, und wenn er sich lediglich privat geäußert hätte, dann hätte diese Äußerung nicht protokolliert werden müssen. Der ins Protokoll aufgenommene Beifall aller Anwesenden kommt einem Beschluss per Akklamation gleich. Die Akademie machte sich das vom Präsidenten proklamierte Ziel des Beistands für strafrechtlich bedrängte Mitglieder zu eigen.

Festschrift mit prominenten Autoren

Abschließend teilt Hamel mit, dass die zu Mausers fünfundsechzigstem Geburtstag am 3. November vom Verlag Königshausen & Neumann angekündigte Festschrift „keine Publikation der Akademie“ sei. „Sie wird weder von ihr finanziert, noch bezuschusst, noch hat die Akademie Einfluss auf das Erscheinen.“ Hamel ist selbst einer der Beiträger – gemeinsam mit dreizehn Kollegen aus der Akademie.

Eröffnet wird das 468 Seiten dicke Buch von einem Gedicht Krügers mit dem Titel „Hören“. Einer der drei Herausgeber ist Borchmeyer, der 2016 noch geschrieben hatte, dass ein wirkliches „kriminelles Fehlverhalten“ Mausers „auch durch seine bedeutende Lebensleistung schwerlich aufgewogen“ werden könnte.

Die Festschrift ist Privatsache der Autoren, die solche Abwägungen angestellt haben werden. Aber die Akademie verweigert sich weiter der Anerkennung der Tatsache, dass das vom Fall Mauser offengelegte Problem der informelle Überschuss institutioneller Macht war. Über die Gefährdung von Schutzbefohlenen in der künstlerischen Ausbildung und über die Risiken eines ästhetischen Ethos der Grenzüberschreitung sagt die Akademie kein Wort, die der bayerische Staat beauftragt hat, „die Entwicklung der Künste ständig zu beobachten“ und „für die Würde der Kunst einzutreten“. Voreilig ist, dass Siegfried Mauser auf der Webseite der Akademie schon gar nicht mehr als Mitglied geführt wird.

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