https://www.faz.net/-gqz-968hd

„Social Cooling“ : Die Angst vor dem Klick

  • -Aktualisiert am

Im Bewusstsein, dass unsere Daten unseren Score beeinflussen können, so seine These, unterlassen wir in vorauseilendem Gehorsam bestimmte Handlungen im Netz – und zensieren uns am Ende selbst. Bild: Kat Menschik

In einer Gesellschaft, in der Scores und Likes die soziale Bonität bestimmen, wächst die Gefahr, dass sich die Bürger selbst zensieren. Über das Phänomen des „Social Cooling“.

          6 Min.

          Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass Menschen in einer datenfixierten Gesellschaft auf mathematische Formeln und Zahlen reduziert werden. Der Elo Score bestimmt die Attraktivität auf Tinder. Der Credit Score die Bonität bei der Bank. Und der Health Score mancher Gesundheits-Apps das zu versichernde Risiko. Wer die „falschen“ Freunde auf Facebook hat, muss unter Umständen mehr Zinsen für ein Darlehen zahlen. Und wer als Frau durchs Web surft, sieht weniger Anzeigen für höherbezahlte Jobs. Doch wie gehen die Nutzer mit dieser digitalen Reputationsökonomie um, wenn sie merken, dass solche Bewertungen ihre Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe beeinflussen können?

          Der niederländische Datenschutz-Aktivist und Technologiekritiker Tijmen Schep hat die These aufgestellt, dass die Scorisierung der Gesellschaft zu einer „Kultur der Konformität“ führe. Im Bewusstsein, dass unsere Daten ausgewertet und gespeichert werden und unseren Score beeinflussen können, so seine These, unterlassen wir in vorauseilendem Gehorsam bestimmte Handlungen im Netz (etwa Facebook-Likes oder Suchbegriffe) – und zensieren uns am Ende selbst.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Schwerer Gang: Anton Schlecker (Mitte) mit seinen Kindern Meike und Lars im Jahr 2017

          Schlecker-Insolvenz : Der tiefe Fall des Anton Schlecker

          Vor zehn Jahren ging Europas größte Drogeriekette unter. Der schwäbische Patriarch verlor sein Lebenswerk. Ein Lehrstück über Beratungsresistenz, das wohl noch nicht zu Ende ist.