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Die Agenda des Viktor Jerofejew : Wie die Ukraine zu retten ist

  • -Aktualisiert am

Die Putin-Patrouille: der Präsident als Biker, unterwegs mit den Nationalflaggen Russlands und der Ukraine im Jahr 2010 Bild: AFP/Getty Images

Wenn die Europäer der Ukraine helfen wollen, müssen sie endlich verstehen, welche Rolle das Land in Putins Plänen von einem neuen russischen Imperium spielen sollte. Ein Erklärungsversuch.

          Ist die Ukraine denn noch zu retten? Ich hätte da einen Vorschlag. Zunächst aber ein Wort über die Hasen. Ein russisches Sprichwort sagt: Wenn du zwei Hasen gleichzeitig jagst, fängst du keinen von beiden. Nicht so Putin. Er hat zwei Hasen gejagt und zumindest einen gefangen – den fetten Hasen der Olympischen Winterspiele. Dieser Hase ist vom Meer in die Berge und zurück geflitzt und hat alle mit seiner sportlichen Form beeindruckt.

          Ein phantastisch gelungenes Fest, eine Flut von Wettkämpfen und Medaillen in Hülle und Fülle für die russische Mannschaft. Während der Spiele keine Terroranschläge im explosiven Kaukasus. Eine Abschlusszeremonie mit bunten Phantasien nach Marc Chagall, Fragmenten aus den Ballets Russes und einer Parade des russischen Staatszirkus. Zar Putin mit Sonnenbrille und im schlichten edlen Mantel war glücklich.

          Sportverrückt, wie er ist, hätte er in jungen Jahren natürlich besser Sport studiert, statt die KGB-Schule zu besuchen, andererseits wollen wir nicht vergessen, dass unser olympischer Hase nicht nur sportlich war, sondern auch zutiefst politisch. Die Olympischen Spiele waren beinahe so etwas wie die militärische Mobilmachung der Kräfte und Mittel des autoritären Regimes, das sich nach dem Willen Putins in Richtung eines autonomen Imperiums mit eigenen orthodoxen Werten sowie einem unerhörten Triumph der russischen Korruption bewegte und in Sotschi bewies, dass es nicht nur stehlen, sondern auch etwas auf die Beine stellen kann.

          Der größere Hase ging dem Jäger durch die Lappen

          Doch während Putin den Sotschi-Hasen als Vorboten des kommenden Imperiums fing, ging ihm der sehr viel wichtigere imperiale Hase durch die Lappen: die Ukraine. Dabei hatte er ihn praktisch schon am Wickel. Nur noch wenige Züge, und Russland, das eine brillante Schachpartie spielte unter der Leitung – wie man jetzt in der Ukraine ganz offen sagt – von Putins Sekundanten Wladislaw Surkow, hätte die Ukraine fest an seine breite Brust drücken können. Es hat sich historisch so gefügt, dass Russland ohne die Ukraine kein Imperium werden kann; es würden wichtige südwestliche Hebel fehlen.

          Und dann kamen die Olympischen Spiele in die Quere. Auf der Eröffnungszeremonie schwenkte Janukowitsch noch wie ein kleiner spanischer Torero auf der Tribüne für die Offiziellen sein blau-gelbes Fähnchen, und als die Abschlussfeier stattfand, war er im Grunde bereits auf der Flucht. Ich bin überzeugt, dass die Kiewer Demokraten noch in vielen Jahren die Olympischen Spiele von Sotschi als ihren Verbündeten in Erinnerung haben werden.

          „Der Kreml hat Janukowitsch aufgegeben“

          Der Schlag der großen Faust, der Kiew hätte treffen sollen, war durch die Olympischen Spiele von Sotschi geschwächt. Ein Rüffel der Kremlführung gegenüber der ukrainischen Regierung erfolgte durch den in der Außenpolitik wenig bedeutenden Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew: Er erklärte, die Opposition behandle die ukrainischen Machthaber wie Weicheier. Auch das Geknurre von Lawrow über die Schwäche des offiziellen Kiew wirkte geradezu hilflos. Trotzdem gab es eine Chance. Hätte Putin seine ganze machiavellistische Kraft in die Hand genommen, hätte die Situation in Kiew blockiert werden können, und die Scharfschützen hätten das Volk eingeschüchtert.

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