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Die Affäre Sebastian Edathy : Illusionen von Erotik und Abenteuer

  • -Aktualisiert am

Am 8. Februar hat Sebastian Edthy sein Bundestagsmandat niedergelegt. Seinen Aufenthaltsort hält er derzeit geheim. Bild: dpa

Im Internet geht es nicht nur um Geld und Daten, sondern auch um Bilder, die nicht unschuldig sind. Wer sie produziert oder betrachtet, zerstört die Grundlage unserer Gesellschaft – Vertrauen.

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          Im Internet ist die Welt noch in Ordnung. Auf der Website von Sebastian Edathy wünscht der SPD-Abgeordnete des Wahlkreises Nienburg-Schaumburg einen guten Tag und stellt sich und seine Sicht der Dinge vor. Im Gästebuch stehen noch die Glückwünsche zur Wiederwahl 2013. In einem kurzen Video kann man den Abgeordneten näher kennenlernen.

          Gleich zu Beginn teilt sich das Bild, so wie es im Fernsehen der siebziger Jahre modern und später wieder ironisch angesagt war. Man sieht dann Sebastian Edathy in einem kleinen Rahmen, neunmal, wie er eine Rede hält – neunmal ganz allein. So eine Vorstellung muss auch einen persönlichen Teil enthalten. Also endet der Film damit, dass der Abgeordnete sagt, dass er gern mit Freunden essen gehe; man sieht ihn dann unter der S-Bahn Brücke Friedrichstraße am Currywurst-Stand.

          Die Homepage ist ein gutes Sinnbild für diesen Fall, der nun wie eingefroren ist. Die Vorgeschichte der Ermittlungen, ihre glücklose Durchführung und das fragwürdige Verhalten des Verdächtigen lassen an die Möglichkeit einer rechtlichen Klärung kaum noch glauben. Es bleiben die Proteste von Sebastian Edathy, unter anderem in einem Interview im „Spiegel“ dieser Woche, es bleibt ein starker Artikel des BGH-Präsidenten Thomas Fischer in der „Zeit“, eine ratlose große Koalition und eine schweigende, schwankende Öffentlichkeit, in der sich niemand für den Mann mobilisiert, der sich doch stets im Rahmen des Gesetzes bewegte.

          Ein Fall von Verbrauchertäuschung?

          Man hätte wünschen mögen, dass er seinerzeit, während des Lokomotivwechsels in Bad Bentheim, vielleicht etwas besser auf seinen Dienst-Laptop achtgegeben hätte. Hat er die Gefahr unterschätzt? Schließlich ist solch ein Diebstahl sehr unwahrscheinlich: Laut Auskunft der Bundestagsverwaltung wurden in den vier Jahren der vergangenen Wahlperiode von Hunderten von Geräten, die permanent auf Achse sein dürften, gerade mal fünf Laptops auf Reisen geklaut. Und darunter ausgerechnet dieses Gerät, das doch so etwas wie der Hauptdarsteller des Dramas ist? Schließlich begann alles im Netz, schließlich prägen im Netz eingeübte Verhaltensmuster die Debatte nach wie vor.

          Edathy argumentiert in seinem „Spiegel“-Gespräch wie ein perfekter User: Auf der Website des kanadischen Kinderbilder-Händlers habe gestanden, dass diese Bilder völlig legal seien. Er habe auch nicht erkennen können, dass den abgebildeten Kindern ein Schaden zugefügt worden sei. Und schließlich habe der Filmversand auch mit Amazon kooperiert, da habe er es für erwiesen erachtet, dass dies kein kriminelles Milieu sei.

          Kanadische Zeitungen berichteten in der Tat, dass der in Toronto angesiedelte Filmanbieter sich optisch an der Website des großen Onlinehändlers orientierte, mit Kundenbewertungen, Sternchen und einer Top-Ten-Liste. Online sah man also die Fassade eines schicken Kaufhauses, offline betrieben es Kriminelle. Sie sitzen heute in Haft. Die kanadische Polizei stufte den Fall, das Unternehmen, das Material und die darauf abgebildeten Straftaten als besonders schwer ein.

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