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Wegen Fehlverhaltens : Urteil gegen den Primus der Hirnforschung

Signale des Bewusstseins, im Computer rekonstruiert: links ein fast bewusstloser Komapatient, rechts ein Gesunder, in der Mitte ein Komapatient mit Bewusstsein. Bild: S. Chennu

Der weltbekannte Hirnforscher Niels Birbaumer behauptet, Locked-In-Patienten wieder kommunikationsfähig zu machen. Jetzt hat ihn die DFG wegen Fehlverhaltens verurteilt. Er will trotzdem weitermachen.

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          Niels Birbaumer knickt nicht ein. Nicht hier und nicht vor Publikum. Es ist für ihn ein Heimspiel, egal was andere sagen. In der Neuen Aula der Universität Tübingen sitzen seit vier Tagen Hirnforscher zusammen, man trifft sich für das Symposium „Mysterien des Gehirns – die ultimative Front der Wissenschaft“. Es wird zu Ehren von Niko Logothetis veranstaltet, überraschend genug, denn auch er ist einer jener preisgekrönten, international hochgehandelten und dann durch einen quälend lange verhandelten Tierschutzskandal tief gestürzten Tübinger Max-Planck-Hirnforscher. An diesem Donnerstagnachmittag, es ist kurz vor zwei Uhr, bereitet sich Niels Birbaumer auf seinen Vortrag vor. Er soll den Abschlussvortrag des Symposiums halten, in knapp zwei Stunden.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Davor allerdings erreicht ihn dieser Anruf aus Bonn, der nicht nur ihn angeht, auch seine Mitarbeiter, seine Patienten, die gesamte neurowissenschaftliche Welt. Die Frage lautet: Wird der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft einen der bedeutendsten und seit April diesen Jahres auch einen der öffentlich umstrittensten Hirnforscher endgültig vom Sockel holen – oder ihn wenigstens teilweise rehabilitieren? Es geht um den Mann, der als der „Gedankenleser“ berühmt wurde, weil er vollständig gelähmten Locked-in-Patienten, die nicht einmal mehr die Augenbrauen zur Kommunikation nutzen können, mit einem von ihm entwickelten Verfahren und einer Infrarotsensorenkappe über dem Gehirn zur Kommunikation verholfen haben will.

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