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Deutschlands Kunstvereine : Die Augenschule der Nation

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Mark Leckey: „Windowas Display 1”. 2008 im Kölnischen Kunstverein Bild: Simon Vogel

Kunstvereine sind der Nährboden der deutschen Kunstlandschaft. Die Kommunen aber streichen Gelder. Ein fataler Fehler, denn ihr Prinzip der Netzwerke kann aktueller nicht sein. Swantje Karich hat sich auf eine Expedition begeben und dabei Erstaunliches entdeckt.

          Sind die Kunstvereine wichtig für unsere Gesellschaft? Einige Kommunen sind davon nicht mehr überzeugt. Die Skeptiker haben zunächst leichtes Spiel, wenn es darum geht, die Institution in Frage zu stellen: Sie bauten keine eigenen Sammlungen auf und müssten sich daher immer neu erfinden. Ihre früher tragende Rolle sei ihnen abhandengekommen, da es im Wust von Museen, Sammlermuseen, Galerien, Produzentengalerien, Kunstvereinen, privaten Showrooms, Kunstmessen keine klaren Grenzen mehr gebe.

          „Es rumort und kriselt heftig in den deutschen Kunstvereinen“ - mit diesen Worten beginnt ein Kommentar in dieser Zeitung vom 15. März 1971. Vor neununddreißig Jahren standen die Kunstvereine offenbar schon einmal am Scheideweg: „Direktoren treten zurück, Vorstände werden abgewählt und gestürzt, Konkurse stehen ins Haus“, heißt es damals. Auch jetzt ist es wieder an der Zeit, die Bedeutungsfrage zu stellen: Angesichts leerer Kassen wird die Lage der Kunstvereine immer schwieriger.

          Vor vierzig Jahren folgte auf die vermeintliche Krise eine entscheidende Wendung, nämlich eine Ausrichtung auf junge Kunst und internationale Entwicklungen. Die Kunstvereine wurden die angesagten Offspaces der heutigen Zeit, sie zeigten, was in der Zukunft wichtig werden würde: Beuys etwa provozierte damals im Kölnischen Kunstverein einen Skandal, der für massenhafte Austritte sorgte, heute aber legendär ist. Was aber bringt das Jahr 2010 für die Vereinigungen?

          Kunstverein Hamburg bei Nacht

          Der größte Verein in Düsseldorf, der kleinste in Gießen

          Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) hat eine Stellungnahme zu den geplanten Einsparungen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Der Appell ist eindeutig: „Viele Kommunen haben bereits Kürzungen ihrer Kulturetats angekündigt, zum Teil pauschal um fünf, zehn, zwanzig oder gar dreißig Prozent. Gerade für kleine Kulturinitiativen - wie Kunstvereine - bedeuten diese Einsparungen jedoch weit mehr als eine Reduktion ihres Handlungsspielraums; die Vielfalt und Fülle einer einzigartigen Kunstvereinslandschaft steht auf dem Spiel.“

          Zwei aktuelle Anlässe gibt es für den Brief: Dem Freiburger Kunstverein drohte die Schließung, und nachdem in Stuttgart jahrelang nicht einmal der Ausgleich der Inflation ausgeglichen wurde, sollte der Kunstverein nun noch einmal die Hälfte seiner Projektmittel verlieren. Lohnt sich also die föderale Unterstützung der Kunstvereine überhaupt noch, die sowieso schon einen Großteil ihrer Mittel selbst besorgen müssen?

          Insgesamt zweihundertachtzig Kunstvereine gibt es in Deutschland, sie zählen hundertfünfzigtausend Mitglieder. Doch Kunstverein ist niemals gleich Kunstverein. Der 13. Oktober 1792 ist Gründungstag des ersten Kunstvereins in Nürnberg als Kunst-Gesellschaft. Den größten hat Düsseldorf vorzuweisen: Man verfügt über eine Fläche von dreihundertfünfzig Quadratmetern, über etwa dreitausendfünfhundert Mitglieder mit einem moderaten Altersdurchschnitt von fünfundvierzig Jahren; das Jahresbudget liegt bei 400 000 Euro.

          Der nach eigenen Angaben kleinste Kunstverein Deutschlands befindet sich in Gießen. Er verfügt über 8,5 Quadratmeter Ausstellungsfläche, und seine hundertachtzig Mitglieder sind im Durchschnitt vierzig Jahre alt. Der Verein hat ein Jahresbudget von 10 000 Euro. Für die Mitglieder aller Kunstvereine stehen Ende Dezember traditionell Jahresgaben bereit - das sind Kunstwerke, die ausgestellte Künstler dem Verein geschenkt haben. Sie ähneln Editionen zu niedrigen Preisen.

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