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EU-Ratspräsidentschaft : Sechs Monate, auf die es jetzt ankommt

Ab dem 1. Juli hat Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft inne. Gerade, weil sich die mit der Pandemie überschneidet, wird Bundeskanzlerin Merkel vor Herausforderungen gestellt. Bild: Reuters

Die Aufgabe ist riesig, das Pensum eine einzige Überforderung: Deutschland übernimmt an diesem Mittwoch den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Wie will das Land gesehen werden?

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          Die Chance ist gewaltig, die Verantwortung auch, und die Zeit kurz: Sechs Monate lang kann Deutschland, beginnend am heutigen 1. Juli, durch den Vorsitz im Rat der Europäischen Union die Politik der Mitgliedstaaten durch eigene Diplomaten ordnen, gewichten und moderieren. Die Corona-Krise – was für ein mehliges Wort für eine Welterschütterung – hat die Erwartungen einerseits hochgeschraubt, weil es um so viel geht, und andererseits gedämpft, weil das Monothema alles andere auf der Agenda zu verschlingen droht und sich der Kontinent in noch nie erlebter Dimension verschulden wird. Die 750-Milliarden-Zusage vom Mai ist ja nur der erste Schuss aus der Hüfte. Selbst die Europäische Kommission nimmt Schulden auf. Wer das vor einem Jahr vorauszusagen gewagt hätte, wäre ausgelacht worden.

          Doch durch die Berichterstattung der letzten Wochen zieht sich zugleich ein optimistisches Kribbeln, das merkwürdig anmuten könnte, ein irrationales Lebenszeichen – vielleicht, weil die Möglichkeitsräume durch die Katastrophe der letzten vier Monate plötzlich und auf paradoxe Weise viel größer erscheinen. Etwas Neues ist vom Himmel auf uns herabgestürzt und hat grausamen Schaden angerichtet, doch alles Neue schafft Platz für Veränderungen. Nicht nur von Last, Sorge, seelischen Störungen und finanziellem Ruin, auch vom unerwartet frischen Blick handeln viele private Gespräche der letzten Monate.

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