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Debatte um Deutsche Einheit : Meistererzählung mit Leerstellen

  • -Aktualisiert am

Ein Fragment der Berliner Mauer steht in Los Angeles. Dort wurde es von Künstlern neu bemalt. Bild: Schapowalow

Während meine amerikanische Heimat im Begriff ist, neue Mauern zu errichten, blickt Deutschland zurück auf den Fall der Berliner Mauer. Doch einiges bleibt dabei ungesagt. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Die aktuelle Debatte über die Ursachen des Mauerfalls lässt mich an ein Gespräch denken, in dem der nationale Sicherheitsberater Henry Kissinger 1971 angeblich den chinesischen Premierminister Zhou Enlai fragte, worin seines Erachtens die Auswirkungen der Französischen Revolution bestanden. Zhou antwortete ihm, es sei „zu früh, um das zu beurteilen“. Obwohl Kissingers Dolmetscher die Aufzeichnung später korrigierte und erklärte, es sei in Wirklichkeit um die Demonstrationen der französischen Studenten 1968 und nicht um die Französische Revolution gegangen, ist der Gedanke, dass eine gewisse Zeit vergehen muss, bevor man historische Ereignisse beurteilen kann, doch immer noch richtig.

          Aus der Perspektive einer Historikerin und Nichtdeutschen ist es gut, dreißig Jahre nach der friedlichen Revolution und dem Mauerfall in Deutschland eine lebhafte Debatte über deren Ursachen und Folgen zu erleben. Schließlich haben Deutsche und andere sich zuvor mit den Ursachen des Ersten und des Zweiten Weltkriegs wie auch des Holocaust auseinandergesetzt. Das dramatische Geschehen um den Mauerfall 1989 ist ein sehr viel angenehmeres Thema, auch wenn gerade deshalb viele das Verdienst gern für sich beanspruchen – ein Wunsch, den Thomas Brussig 1995 effektvoll in seinem satirischen Roman „Helden wie wir“ genutzt hat.

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