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Deutschland-Kampagne : Sprüche und Schliche

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„Die Leser meiner Ethik“, schreibt Schopenhauer, „wissen, daß bei mir das Fundament der Moral zuletzt auf jener Wahrheit beruht, welche im Veda und Vedanta ihren Ausdruck hat an der stehend gewordenen mystischen Formel tat twam asi (Dies bist du), welche mit Hindeutung auf jedes Lebende, sei es Mensch oder Tier, ausgesprochen wird und dann die Mahavakya, das große Wort, heißt.“ Um die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen dieser aus den „Upanischaden“, einer altindischen Schriftensammlung, entnommenen Annahme geht es hier nicht; entscheidend ist, daß sie auf einen Moment der Erleuchtung zielt. Das geht dann über in den reinsten Mystizismus: „Ich weiß wohl, daß, wenn ich einen ernsthaft versicherte, die Katze, welche eben jetzt auf dem Hofe spielt, sei noch die selbe, welche dort vor dreihundert Jahren die nämlichen Sprünge und Schliche gemacht hat, er mich für toll halten würde: aber ich weiß auch, daß es sehr viel toller ist zu glauben, die heutige Katze sei durch und durch und von Grund aus eine ganz andere als jene vor dreihundert Jahren.“

Am eigenen Schopf aus dem Sumpf

Warum soll ich, auch ohne die Frisur des genialen Katzengreises, also nicht Einstein sein? Behaupten kann man es, und wenn man dies in einer bieder-eindringlichen Sprache, dazu mit einer suggestiven Werbeästhetik tut, dann kommt einem das plötzlich ganz plausibel vor. Es handelt sich allerdings um eine Geheimlehre, die sich sachlicher Erörterung entzieht und deren moralische Implikationen Glaubenssache sind. Ein Staatsvertrag läßt sich darauf nicht gründen. Die Erleuchteten ziehen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf.

Dies können aber nur die Eingeweihten, die sich in spiritueller Innenschau Klarheit verschaffen über die Identität zwischen sich und der Welt. „Freilich aber“, schreibt Schopenhauer, „stellt sich der Erkenntnis, so wie sie, dem Willen zu seinem Dienst entsprossen, dem Individuo als solchem wird, die Welt nicht so dar, wie sie dem Forscher zuletzt sich enthüllt, als die Objektität des einen und alleinigen Willens zum Leben, der er selbst ist; sondern den Blick des rohen Individuums trübt, wie die Inder sagen, der Schleier der Maja, und in dieser Form seiner beschränkten Erkenntnis sieht er nicht das Wesen der Dinge, welches Eines ist, sondern dessen Erscheinungen, als gesondert, getrennt, unzählbar, sehr verschieden, ja entgegengesetzt.“

Pessimismus light, gewissermaßen

Schopenhauer sprach von einem besseren Bewußtsein, an das auch die Deutschland-Initiative appelliert. Die Vielheit geht auf in der Einheit des Volkskörpers, man muß nur die metaphysische Voraussetzung akzeptieren, dann ist alles eins. Wer zwischen sich und seinem Land keinen Unterschied macht, der stellt an den Staat keine Ansprüche mehr, sondern nur an sich selbst; der fragt nicht mehr nach Verbesserungen, die auf dem Wege der Politik zu vollbringen sind; der glaubt nur an die eigene Willenskraft.

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