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Deutschland-Ausstellung in London : Stellt Euch vor, ihr seid Deutsche

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Abtauchen in die deutsche Geschichte: Neil MacGregor, Direktor des British Museum, vor einem Exponat - dem Neopren-Anzug eines DDR-Flüchtlings Bild: BBC/Richard Ansett

„Don’t mention the war“: So hielten es die Briten bisher, wenn sie es mit Deutschen zu tun hatten. Jetzt zeigt London eine große Deutschland-Ausstellung. Schönt sie das Bild vom einstigen Gegner? Ein Gespräch mit dem Direktor des British Museum.

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          Herr MacGregor, das British Museum nimmt den 25. Jahrestag des Mauerfalls zum Anlass für eine Ausstellung, die erkundet, welche historischen Erinnerungen die Identität des wiedervereinten Deutschland prägen. Was führte zu dieser Entscheidung?

          Die Aufgabe des British Museum ist, der Öffentlichkeit ein besseres Verständnis der Welt zu ermöglichen. Im Moment erscheint es mir besonders wichtig, dass die Briten das einflussreichste europäische Land, verstehen. Von den großen europäischen Staaten ist Deutschland das Land das wir am wenigsten kennen und verstehen, nicht zuletzt, weil unser Kenntnisstand vor siebzig Jahren stehengeblieben ist. Zu den verheerenden Folgen des Zweiten Weltkriegs zählt, dass er nicht nur die ernsthafte Auseinandersetzung der britischen Bildungsschicht mit deutscher Geschichte und Kultur beendete, sondern auch das Engagement mit der deutschen Gegenwart. Ich glaube, das beginnt sich jetzt glücklicherweise zu verändern. Für meine Großmutter, die mir als Kind erzählte, wie Blücher Wellington zu Hilfe kam, und für meine Eltern war Deutschland das Land, das Britannien in vielerlei Hinsicht am nächsten stand. Diese natürliche Affinität wurde durch den Ersten Weltkrieg schwer angeschlagen und durch den Zweiten Weltkrieg zerschlagen. Ich weiß nicht, ob das an der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen des Dritten Reiches lag oder an den Auswirkungen des Krieges auf Großbritannien, das den Verlust des Empire und den wirtschaftlichen Niedergang nicht wahrhaben wollte. Die Vereinigung hat das neue Deutschland gezwungen, die zwei unterschiedlichen historischen Narrative von Ost- und Westdeutschland miteinander zu konfrontieren und über eine gemeinsame Geschichte nachzudenken.

          Sie haben den Ansatz, die Nation durch ihre Erinnerungen darzustellen.

          Das ergab sich aus verschiedenen Gründen. Identität ist Erinnerung. Wenn man sein Gedächtnis verliert, hört man auf, zu existieren. Es ist wichtig, klarzustellen, dass diese Ausstellung keine Geschichtserzählung ist. Es ist nicht möglich, die narrative Geschichte eines Landes in einer Ausstellung zu erzählen, weil sich so viele seiner Schlüsselelemente wie Philosophie und Musik nicht veranschaulichen lassen. Wir wollen veranschaulichen, warum die deutsche Geschichte aus vielen deutschen Geschichten besteht. Dennoch gibt es deutsche Erinnerungen. Wir führen Aspekte vor Augen, die das deutsche Selbstverständnis prägen, etwa die lange Tradition des technologischen und handwerklichen Könnens, also Eigenschaften, die jedes Land ausmachen, selbst nach einer Katastrophe, wie sie Deutschland erlebt hat. Der Sinn ist, dem Besucher einen Eindruck davon zu geben, wie die Welt aussähe, wenn dies seine Erinnerungen wären. Die Ausstellung selbst ist Teil eines Triptychons. Das Museum versucht, eine möglichst breite britische Öffentlichkeit auf drei verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Wegen in ein imaginatives Verfahren zu involvieren, sich in die deutsche Welt hineinzudenken. Neben der Ausstellung gibt es die BBC-Serie und ein Buch, das nächsten Herbst im Beck-Verlag auf Deutsch erscheinen wird. In der Serie, in dem Buch und vor allem in der Ausstellung behandeln wir Erinnerungsfragmente, durch die wir die Vorstellungskraft anregen wollen.

          In Ihren zwölf Jahren als Direktor des British Museum gab es bisher keine Ausstellung, an der Sie selbst so stark mitgewirkt, für die Sie sich persönlich so eingesetzt haben. Ihr Engagement wirkt fast wie eine Mission. Wie kommt das?

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