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OECD/Bertelsmann-Studie : Am Puls der Mittelschicht

Stadtzentrum von Schneeberg in Sachsen Bild: dpa

Angstlust an Zerfallsdiagnosen: Regelmäßig wird der Niedergang der größten Einkommensgruppe diagnostiziert. Aber geben die Zahlen das wirklich her?

          5 Min.

          Was tut die deutsche Mittelschicht? Sie steht angeblich unter Druck, sie nimmt ab, sie lebt in Statusangst oder mindestens in Sorge. Das tut sie seit Jahren, kaum eines vergeht, in dem der größten Einkommensgruppe nicht mitgeteilt wird, es gehe ihr insgesamt schlechter als früher. „Deutsche Mittelschicht schrumpft“, teilt in diesem Sinne gerade das ZDF mit. Wortgleich das Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Immer mehr Menschen verlieren Anschluss an die Mittelschicht“, weiß Zeit-Online. „Die Mittelschicht schrumpft – was tun?“, fragt Deutschlandradio Kultur. „Wenig Aufstieg möglich: Das gebrochene Versprechen der Marktwirtschaft“, konstatiert der Spiegel, während sich die ARD an den Titel der Studie hält, auf die sich alle beziehen: „Die Mittelschicht in Deutschland bröckelt“.

          Jürgen Kaube
          Herausgeber.

          Tatsächlich versieht die gerade von der Bertelsmann-Stiftung und der OECD publizierte Untersuchung, die diese dramatische Beschreibung enthalten soll, ihre Zerfallsdiagnose zunächst mit einem Fragezeichen: „Bröckelt die Mittelschicht?“ Vielleicht, weil ihre Befunde ein jüngeres Schrumpfen gar nicht hergeben. 1995, heißt es, gehörten der Mittelschicht 70 Prozent der deutschen Haushalte an. Unter Mittelschichtshaushalten werden dabei solche verstanden, die zwischen drei Vierteln und dem Doppelten des mittleren Nettoeinkommens (für Alleinstehende: 2000 Euro, für Paare mit zwei Kindern: 4000 Euro) in Deutschland beziehen. 2018 waren das nur noch 64 Prozent.

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