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Resolution des Historikertags : Die Lehrer Deutschlands

Den Verfassern, den Göttinger Historikern Dirk Schumann und Petra Terhoeven, die sich der Unterstützung eines Redaktionskomitees prominenter Fachvertreter mit der apostolischen Mitgliedszahl zwölf versicherten, führte die allbeherrschende, verantwortungsvolle Pflicht gegen den Staat die Feder. In dem Fundamentalkonflikt, der sich seit 2015 in der deutschen Öffentlichkeit aufgetan hat, ergreift die Berufsvertretung der akademischen Historiker Partei, indem die Resolution in einer ihrer Zwischenüberschriften „für Humanität und Recht, gegen die Diskriminierung von Migranten“ plädiert.

Nicht das Zeug zu einem moralischen Lehramt

Nun kommen die Historiker mit dieser Intervention keiner Aufforderung der Bundesregierung nach. Insofern mögen die Unterstützer der Resolution meinen, die Vergleichbarkeit mit der Lage von 1893 sei nicht gegeben. Machen die Historiker nicht von ihrer Unabhängigkeit Gebrauch, indem sie sich politisch zu Wort melden? Aber diese Unabhängigkeit, verstanden als Freiheit der Wissenschaft, hat auch Voraussetzungen auf der Innenseite der wissenschaftlichen Selbstorganisation. Man muss sich über den Status wissenschaftlichen Wissens klar sein, darüber, welche Art von Geltung es beansprucht. Aus der prinzipiellen Vorläufigkeit dieses Wissens ergibt sich die wissenschaftliche Variante jener Demut in der Kommunikation unter den gesellschaftlichen Subsystemen, zu der sich Schäuble als Staatsrepräsentant für die Politik bekannte.

Otto Gerhard Oexle, der 2016 verstorbene Direktor des abgewickelten Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen, war acht Jahre lang Schriftführer des Historikerverbands. Er vertrat mit Verve die von ihm aus den Weltanschauungskämpfen der Epoche um 1900 hergeleitete Auffassung, dass die Wissenschaft mit ihren Erkenntnismitteln nicht das Zeug zu einem moralischen und politischen Lehramt habe. Ein solches Wissenschaftsverständnis hat in Vorstand und Ausschuss des Verbands offenbar keinen Sprecher mehr. Dirk Schumann, einer der beiden Verfasser des Resolutionsentwurfs, sagte in der Mitgliederversammlung, mit dem Text wollten die Historiker auf der Basis ihrer Fachkompetenz die Orientierung leisten, welche die Öffentlichkeit auch von ihnen erwarten dürfe. Andreas Wirsching, der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, exponierte sich in der Frage, ob diese Orientierung durch analytische Aussagen hergestellt werden solle (also das Äquivalent der zur Teilnahme am öffentlichen Leben nötigen Kenntnisse von 1893) oder auch durch normative Festlegungen. Mit den Wahlerfolgen der AfD sieht Wirsching „eine Zeit angekommen, in der es wichtig ist, dass wir uns auch normativ äußern“.

Und diese Äußerungen beschränken sich eben nicht auf die Benennung der Funktionsbedingungen einer unabhängigen Geschichtswissenschaft, die sich auf eine Verfassung mit Gewaltenteilung und freier Presse erstrecken. Die Resolution macht auch inhaltliche Aussagen zur Europa- und zur Flüchtlingspolitik. Für beide Gebiete werden aus welthistorischen Befunden höchster Allgemeinheit Forderungen abgeleitet, die in den gewählten Formulierungen in der heutigen deutschen Öffentlichkeit heftig umstritten sind.

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