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Deutsch-polnische Grenzregion : Werdet nicht postpreußisch!

Hier verschwimmen Ländergrenzen: Wegweiser mit den Orten Pasewalk, Löcknitz, Stettin Bild: dpa

Keine Straßenbahnlinie über die Oder: Polen und Deutschland sind trotz politischer Spannungen eng verflochten. Notizen aus dem Grenzgebiet.

          5 Min.

          In diesem Sommer organisierten der Fremdenverkehr und Kulturbetrieb in Polen schon zum zweiten Mal eine Corona-Saison, was heuer besser gelang als im Vorjahr. Polens Küste war gut besucht, auch von deutschen Urlaubern, die mit dem Dichterwort wissen, dass Badefreuden kein Va­terland kennen. „Wie macht die Ostsee?“, fragte Günter Grass in seinem Gedicht „Kleckerburg“ und gab selbst die Antwort: „Auf deutsch, auf polnisch: Blubb, piff, pschsch.“

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Auch Stettin an der Odermündung stemmte sich gegen die Pandemie. Die Hafenstadt ist mit 400.000 Einwohnern die mit Abstand größte Kommune entlang der deutsch-polnischen Grenze und von allen polnischen Großstädten am weitesten von der Hauptstadt Warschau entfernt; Berlin liegt viel näher. Stettin, einst stolze Hauptstadt der preußischen Provinz Pommern, fiel nach Flucht und Vertreibung der Deutschen an Polen. Nach der Machtergreifung der Kommunisten war „Westpommern“, wie der polnische Bezirk (Wojewodschaft) heute heißt, ein vernachlässigtes Randgebiet. Das Ende von Diktatur und Planwirtschaft brachte auch den Untergang der Werft, des einst größten Arbeitgebers der Stadt. Das war doppelt schmerzhaft, denn die Stettiner Werftarbeiter hatten Seit’ an Seit’ mit den Danzigern 1980 gegen die Diktatur die Gründung der Bewegung Solidarność erkämpft. Ihre damalige Wunderwaffe, der Streik, wird heute kaum noch eingesetzt.

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