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Ähnlichkeiten der Parteien : Erst der Computer löst das Suchbild

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Eines der Resultate dieser Doppelordnung ist das riesige rote Rechteck oben links in der Heatmap. Erinnerung: Rot war die Zustimmung einer Partei zu einer These. Bei der oberen Hälfte der Thesen beziehungsweise dem oberen Hauptast des Thesen-Verwandtschaftsbaumes scheint es sich primär um linke Herzensangelegenheiten zu handeln. Ein kurzer Blick über die Namen der Thesen spricht ebenfalls dafür. Politisch hier vom Algorithmus eher links verortete Parteien befürworten fast übergreifend die doppelte Staatsbürgerschaft, Dieselbesteuerung, Tempolimit, das bedingungslose Grundeinkommen, einen Schuldenschnitt für Griechenland, das ausnahmslose Verbot von Rüstungsexporten, die Vermögensteuer, Projekte gegen Rechtsextremismus, sozialen Wohnungsbau und noch ein paar andere Sachen.

Die Ordnung von Thesen und Parteien nach Ähnlichkeit eignet sich auch ganz wunderbar zur visuellen Ausreißersuche. Das geht besonders gut in homogenen Gebieten der Heatmap. Es bietet sich beispielsweise an, in dem roten Rechteck der linken Herzensthemen und Parteien nach vereinzelten blauen Punkten zu suchen. So sind zum Beispiel ausgerechnet die Grünen gegen ein ausnahmsloses Exportverbot von Rüstungsgütern (der Fairness halber: Nicht alle Thesen sind gut mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten! Die Website des Wahl-O-Maten stellt Begründungen der Parteien zu ihren Antworten zur Verfügung).

Unterschiede sind messbar

Die Grünen sind auch gegen den vorgezogenen Renteneintritt als eine der ganz wenigen unter anhand ihrer Thesenantworten links verorteten Parteien. Die Piraten sind gegen generelle Tempolimits, was fast schon zu schön dem Klischee einer Partei mit eher jüngeren Mitgliedern entspricht. Die anderen Parteien sind insgesamt weniger homogen in ihrem Antwortverhalten, darum können wir bei ihnen rein visuell weniger gut Ausreißer finden. Ich möchte dem Leser aber auch noch Raum zum Selbstforschen lassen, deshalb nun zurück zur eigentlichen Botschaft.

Wir haben die Funktionsweise des Wahl-O-Maten kennengelernt. Wir haben gesehen, dass es dort für sehr viele Wähler den Anschein haben kann, als würden sich die Positionen der Parteien im politischen Spektrum gar nicht mehr groß unterscheiden – eine Beobachtung, die sich dem unbedarften Bürger freilich auch unabhängig vom Wahl-O-Maten aufdrängen kann.

Die Kritiker der Parteienlandschaft sind nun widerlegt, und zwar durch zwei verschiedene Ansätze: Allen Unkenrufen zum Trotz sind tatsächlich noch politische Richtungen und Unterschiede zwischen den Parteien messbar, auch wenn es auf Anhieb nicht so aussieht. Und die politische Landschaft gliedert sich dann auch ungefähr so, wie man es erwartet.

Was es allerdings über unsere Demokratie aussagt, dass man für diesen Nachweis Computerpower und mathematische Methoden aus dem Umfeld der Künstlichen Intelligenz benötigt, ist eine andere Frage.

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