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Ähnlichkeiten der Parteien : Erst der Computer löst das Suchbild

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Machen wir das Experiment noch einmal, aber diesmal ohne die rechten und linken Enden: nur mit den Parteien CDU, SPD, FDP und Grüne. Dann erhalten mehr als 47 Prozent aller Zufallswähler mindestens drei Sieger – von vier Parteien. Eine Entscheidungshilfe sieht sicher anders aus. Der Wähler kann anhand der Ergebnisse nicht unterscheiden, ob er selbst politisch bunt ist oder die Parteien einen inhaltlichen Konsens bilden.

Und doch wäre es nicht gerecht, dem Wahl-O-Mat die Schuld dafür zu geben. So vielversprechend dessen Ansatz auch sein mag: Bei seiner Entwicklung hat sich das gefühlte Zusammenwachsen der Parteien wohl niemand träumen lassen. In einer Zeit, in der die CDU die Energiewende und die „Ehe für alle“ mit durchgesetzt hat, die Spitzenkandidatin der Linkspartei äußert, dass kriminelle Flüchtlinge ihr Gastrecht „dann eben auch verwirkt“ hätten, und man beim Kanzlerduell jeden Moment erwartet, dass die Kontrahenten sich in die Arme fallen und die Fusion der Volksparteien verkünden, darf auch ein Computeralgorithmus schon mal die Orientierung verlieren.

Ich möchte darum allen, die zwischen den gängigen Parteien beim besten Willen keine Unterschiede mehr ausmachen können, zeigen, dass es doch Unterschiede gibt. Es mag Bürgern mit nur im üblichen Maße ausgeprägtem politischem Interesse zwar schwerfallen, diese noch mit bloßem Auge zu sehen. Aber wer etwas Aufwand zu treiben bereit ist und die richtigen Hochleistungs-Messmethoden anwendet, kann doch noch etwas feststellen.

Wir werden zwei mathematische Verfahren aus dem Arbeitsbereich „Big Data“ anschaulich machen, um wenigstens ansatzweise wieder eine Ordnung unter die Parteien zu bringen. Beide Ansätze enthalten Grundrauschen, kein Ansatz ist der Weisheit letzter Schluss, und dennoch kann man mit ihnen einen visuellen Überblick über die Parteienlandschaft erhalten, um diese besser zu durchdringen.

Vergleich aller Parteien miteinander

Im ersten Ansatz wollen wir die Parteienlandschaft als eine Art Landkarte darstellen. In der Informatik nennt man eine solche Landkarte einen Graphen. Graphen sind dort ein gängiges Mittel, um Orte und Verbindungen zwischen den Orten mathematisch darzustellen. Beispielsweise ist Facebook ein großer Graph. Die Orte sind hier Personen, und die Verbindungen sind Facebook-Freundschaften. Was sind nun die Verbindungen, wenn wir die Parteien als Orte nehmen?

Das Auslesen der Antworten aller Parteien auf die Thesen ermöglicht uns, diese gegeneinander zu vergleichen. Der Vergleich erfolgt genau so, wie der Wahl-O-Mat die Partei-Antworten mit den Antworten ratsuchender Wähler vergleichen würde. Wir vergleichen jede der 32 teilnehmenden Parteien mit jeder anderen. So erhalten wir 992 potentielle Verbindungen, wobei die Prozentzahl, die beim Vergleichen nach Wahl-O-Mat-Methodik herauskommt, die Stärke einer jeden Verbindung ist. Das sind sehr viele Verbindungen, die sowohl Bild als auch Mathematik schnell unübersichtlich werden lassen. Wir nehmen daher nur die stärkere Hälfte der Verbindungen tatsächlich in unseren Graphen auf.

Je stärker eine Verbindung ist, desto dicker zeichnen wir sie auch im Bild. Solche starken Verbindungen wirken für unser Bild außerdem wie stramme Federn – sie ziehen die durch sie stark verbundenen Parteien näher zueinander. Parteien, die verbunden und nahe beieinander sind, sind also tendenziell verwandt aus Sicht der Beantwortung der Wahl-O-Mat-Thesen.

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