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Münchner Plagiatsintrige : Der Quacksalber

Der Tagungsband „Colchicine – 100 years of Research“ (1982), der angeblich aus Rumänien und der DDR stammt und Matthias Graw unter Verdacht stellte, dürfte eines der seltensten Bücher der Welt sein. Seine einzige Absicht ist die Verleumdung. Bild: Vincent Forstenlechner

Zu der Plagiatsintrige gegen den Rechtsmediziner Matthias Graw ermitteln jetzt die Staatsanwälte. Nach Recherchen der F.A.Z. war der Verdächtige in einen ähnlichen Skandal in Großbritannien verwickelt.

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          Die fälschlich gegen Matthias Graw, den Leiter der Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München, erhobenen Plagiatsvorwürfe haben ein juristisches Nachspiel. Wie die Staatsanwaltschaft München auf Anfrage mitteilte, führt sie ein Verfahren gegen den von der F.A.Z. Ende Oktober identifizierten Rainer Otto Z. „wegen Urkundenfälschung, Verleumdung, Urheberrechtsverletzung und Betrug“. Die Ermittlungen seien nicht abgeschlossen, die Plagiatsprüfer Stefan Weber und Martin Heidingsfelder, die auf der Grundlage eines gefälschten rumänischen Tagungsbandes („Colchicine – 100 years of Re­search“) die Vorwürfe gegen Graw erhoben hatten, wurden vernommen. Ob auch der Beschuldigte Z. – offenbar Auftraggeber der Plagiatsprüfer – ausgesagt hat, verrät die Staatsanwaltschaft nicht. Graw kann gegen den mutmaßlichen Drahtzieher der In­trige zivilrechtliche Schritte einleiten.

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Über den 1954 geborenen Beschuldigten Z., der, wie aus Dokumenten, die dieser Zeitung vorliegen, hervorgeht, bis etwa 2000 meist den Vornamen Rainer führte, seither vor allem Otto, gelegentlich Rainer Otto, lässt sich aufgrund von Recherchen der F.A.Z. und Hinweisen von Lesern ein Lebenslauf erstellen. So liegt von Rainer Z. eine Dissertation im Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 1984 vor, die, passend zum gefälschten Tagungsband, einen biochemischem Schwerpunkt hat. Parallel dazu arbeitete er im Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. Nur zweieinhalb Jahre nach seiner Doktorprüfung in Chemie hat Z. nach Auskunft der Universität Wien dort den Abschluss eines Dr. med. univ. erworben, was jedoch keinem deutschen „Dr. med.“ mit Dissertation, sondern einem Diplomabschluss entspricht. Da Z. bei der Bayerischen Ärztekammer als Dr. med. univ. geführt wurde, ist davon auszugehen, dass die Darstellung seiner wissenschaftlichen Qualifikation mit den akademischen Graden „Dr. Dr.“ oder „Dr. rer. nat. Dr. med.“, die Z. zuweilen in Deutschland verwendete, nicht korrekt wiedergegeben wird.

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