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Raif Badawi Award : „Nieder mit der Tyrannei, lang lebe die Freiheit“

„Das, was die Tyrannen am meisten fürchten, ist der Mut“: Ahmet Şık. Bild: AP

Ahmet Şık ist in der Türkei in Haft. Vor Gericht hielt er eine flammende Rede für die Freiheit. In Frankfurt wird dem Journalisten der Raif Badawi Award zugedacht. Er erinnert an den saudischen Blogger, der zu tausend Peitschenhieben verurteilt wurde.

          Der türkische Investigativjournalist Ahmet Şık erhält den von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verliehenen Raif Badawi Award für engagierten Journalismus. Şık schreibt für die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“; sein Buch „Die Armee des Imams“ über die Gülen-Bewegung galt, so die Naumann-Stiftung, als „das gefährlichste Buch des Landes“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          2011 war Şık noch vor der Veröffentlichung seines Buches inhaftiert worden, weil er angeblich der Putschisten-Organisation „Ergenekon“ angehört habe. Şıks Recherchen deuteten darauf hin, dass der türkische Staat von Mitgliedern der Gülen-Bewegung unterwandert sei, in der Politik ebenso wie in Justiz und Polizei. 2012 wurde er entlassen, seit dem 29. Dezember 2016 sitzt Şık jedoch abermals im Gefängnis. Ihm wird der vom türkischen Regime gegen Andersdenkende regelmäßig bemühte Vorwurf gemacht, er habe in seinen Tweets und Artikeln „Terror-Propaganda“ verbreitet und Staatsorgane beleidigt. Am 11. September wird der Prozess gegen Şık und sechzehn weitere Mitarbeiter der „Cumhuriyet“ fortgesetzt. Vor Gericht hatte Şık Ende Juli in seiner Verteidigungsrede ein flammendes Plädoyer für die Meinungsfreiheit gehalten: „Journalismus ist kein Verbrechen. Das, was die Tyrannen am meisten fürchten, ist der Mut. Und die Tyrannen sollten wissen, dass keine Grausamkeit den Fortschritt der Geschichte aufhalten kann. Nieder mit der Tyrannei. Lang lebe die Freiheit.“

          Man habe sich für Şık als Preisträger entschieden, „aufgrund seiner herausragenden Bedeutung für die freien Medien in der Türkei und stellvertretend für alle Journalisten, die derzeit in der Türkei im Gefängnis sitzen“, teilte die Jury mit. Er sei „ein Mann klarer Worte, der in schwierigen Zeiten für die Ausübung seines Berufs kämpft und lautstark auf Missstände hinweist: Das verdient Respekt und Anerkennung.“

          Soll abermals ausgepeitscht werden: Der saudische Blogger Raif Badawi.

          Der Journalistenpreis wurde von Ensaf Haidar, der Frau des in Saudi-Arabien inhaftierten Bürgerrechtlers Raif Badawi und dem Journalisten Constantin Schreiber initiiert. Er soll an den Blogger Badawi erinnern, der wegen seiner islamkritischen Texte zu tausend Peitschenhieben, zehn Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde. Badawi hatte das Online-Forum „Die saudischen Liberalen“ gegründet und war für Religionsfreiheit und die Trennung von Staat und Religion eingetreten. Im Juni 2012 wurde er verhaftet und wegen Gotteslästerung angeklagt. Im Januar 2015 ist Badawi erstmals öffentlich ausgepeitscht worden. Seine Frau, zahlreiche Unterstützer und Menschenrechtsorganisationen kämpfen um eine Freilassung. Der nach ihm benannte, undotierte Preis wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels unterstützt und am 11. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vergeben.

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