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Gedenkstätte Hohenschönhausen : Warum sollten wir gratis reden?

Wachturm auf der Außenmauer der Stasigefängnis-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Bild: dpa

Der Streit um die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen schwelt weiter: von Sexismus, alten Feindschaften zwischen Linken-Politikern und Antikommunisten und bockigem Schweigen.

          5 Min.

          Schon von weitem sieht man den Wachturm des ehemaligen Stasi-Gefängnisses. Der Gebäudekomplex fügt sich in beige-grauer Farbe in die Wohnstraße. Schön ist es an diesem abgelegenen Ort in Berlin-Hohenschönhausen nicht. Die Gedenkstätte hat die Räumlichkeiten der Untersuchungshaftanstalt weitgehend erhalten, sogar der beißende Geruch der Reinigungsmittel aus der DDR liegt noch in den Gängen des Zellentrakts: Die Vergangenheit, so das Konzept, soll sinnlich erfahrbar werden. Es ist kalt. Besuchergruppen gehen über das Gelände, geführt von ehemaligen politischen Häftlingen.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Am Empfang stehen zwei Mitarbeiter der Gedenkstätte. Reden will hier keiner. Etwas mehr als ein Monat ist vergangen, seit dem einstigen Direktor Hubertus Knabe und seinem Stellvertreter Helmuth Frauendorfer gekündigt wurde. Vorwürfe sexueller Belästigung stehen im Raum, Knabe soll sexistisches Verhalten geduldet haben. Wie haben die Angestellten ihn als Chef erlebt? Der Mitarbeiter winkt ab: „Mit Ihnen rede ich nicht. Warum sollte ich das machen? Damit Sie berichten!“ Eine Mitarbeiterin kommt dazu, ihr Ton ist noch wütender. „Lesen Sie doch selbst mal diese ganzen Zeitungen. Dann wissen Sie, woher das kommt!“ Was sie denn damit meine? „Sie können hier nicht einfach mit den Angestellten reden“, schimpft die Frau, „wir haben hier eine Presseabteilung, fragen Sie die.“ Die Mitarbeiterin geht. Ihr Kollege hat aber noch etwas zu sagen. „Sie kriegen doch Geld für Ihre Berichte, oder? Warum sollte ich dann kostenlos antworten!“

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