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Ökologie : Waldkampf

  • -Aktualisiert am

Die russischen Wälder gehen in die ukrainischen über, sagt man in Russland und in der Ukraine. Bild: dpa

Die Debatte darum, wie dem Wald zu helfen ist, wird schärfer. Es wäre schon ein Fortschritt, sich einzugestehen: Gerade weiß das niemand so genau.

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          Die Titelgeschichte des Wissenschaftsmagazins „Science“ im Dezember klang geradezu reißerisch: „Forest fight“ war die Überschrift, Waldkampf. Der Autor wunderte sich, dass ausgerechnet in Deutschland, wo die Forstwirtschaft und das Konzept der Nachhaltigkeit quasi erfunden wurden, darüber gestritten wird, wie man künftig mit dem Wald umgehen soll. Tatsächlich endet die Einigkeit mit der Einsicht, dass sich etwas ändern muss.

          Die schwierige Ausgangslage fasst eine Gedichtzeile von Erich Kästner ganz gut zusammen: „Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.“ Jeder kann sehen, dass es ihnen nicht gut geht. Der Boden ist zu trocken, die Bäume sind geschwächt. Doch was sagt uns das für eine Zukunft, von der man nur weiß, dass es wärmer und das Wetter extremer werden wird? Die Zeit drängt, zugleich ist es so eine Sache mit Bäumen und Zeit. Kiefern, die heute geerntet werden, wurden vor achtzig, hundert Jahren gepflanzt, Buchen vor 120 bis 160 Jahren.

          Aus Meinungen werden Fronten

          Prominenter Vertreter der einen Wald-Fraktion ist Peter Wohlleben, der sich als Baumdeuter empfohlen hat, indem er deren Befindlichkeit kurzerhand in Menschenkategorien übersetzte. Man muss jetzt den Wald machen lassen, fordert diese Seite, ihn als Ökosystem sehen, nicht als Holzproduzenten. Man muss hinnehmen, dass es weniger Holz geben wird, man soll keine Baumarten einführen, weil sie neue Probleme bringen könnten, und nicht von „Waldumbau“ sprechen, weil das klingt, als könne man sich die Natur einfach zurechtzimmern.

          Die Natur in Ruhe zu lassen, das widerstrebt dem ­Menschen sowieso. Doch die andere Seite hat auch Argumente: Der Mensch präge seit Jahrtausenden den Wald. Nicht Monokulturen seien das Hauptproblem, sondern der Klimawandel. Bauholz speichere Kohlenstoff besser als ein unbewirtschafteter Wald, und Holz sei nun mal eine wichtige Ressource. Es droht Verhärtung, aus Meinungen werden Fronten. Vergangenes Jahr lud die damalige Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu einem forstwirtschaftslastigen Waldgipfel. Wohlleben ­ver­anstaltete kurz darauf einen eigenen, zu dem auch Robert Habeck und Umweltministerin Svenja Schulze kamen. Für Juni ist jetzt ein Wald-Klima-Forum angekündigt. Man wolle die Polarisierung überwinden, heißt es aus dem veranstaltenden Max-Planck-Institut für Biochemie. Politiker, Forstleute, Waldökologen, Wohlleben, alle sind eingeladen. Sich gemeinsam einzugestehen, dass gerade niemand richtig weiterweiß, das wäre schon etwas. Ob die Entscheidungen von heute gut gewesen sein werden, das wird erst der Wald von morgen erzählen.

          Petra Ahne
          Redakteurin im Feuilleton.

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