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Regeln für die digitale Welt : Die algorithmische Person

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Soll so die Zukunft der Demokratie aussehen? Visualisierung von Datenströmen eines Touchscreen Computers. Bild: Ikon Images/Masterfile

Netzkonzerne verändern nicht nur die Art, wie wir kommunizieren, sondern unsere Werteordnung. Sie schränken Grundrechte ein, ohne zu fragen. Dem darf die Politik nicht tatenlos zusehen. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Big Data verwandelt die Welt. Wirtschaft, Politik und Lebensalltag hängen am Netz und in ihm. Persönliche Daten, Informationen aller Art und Aktivitätsspuren des digitalen Raumes sind längst eine sehr einträgliche Handelsware. Mit der Verfügbarkeit von Daten wächst die Möglichkeit einer intelligiblen Steuerung von Produkten und Dienstleistungen. Industrielle Fertigungen werden in neuartiger Weise plastisch, gestaltbar, schmiegen sich an Kundenbedürfnisse und eröffnen neue Wertschöpfungsmodelle. Inzwischen hat jeder begriffen, dass zwischen alter Industrie und großen Internetakteuren wie Google, Facebook, Amazon, Booking.com oder Apple ein Wettlauf begonnen hat, wer die Wirtschaft der Zukunft beherrscht.

          Wer etwa wird die technischen und praktischen Bedingungen für die Mobilität des 21. Jahrhunderts letztlich gestalten: Immer noch Toyota und Mercedes oder aber Google, Uber und Apple? Die digitalen Gatekeeper scheinen im Vorteil, solange sie tragende Knotenpunkte des Netzes oder die Software den Lebensstil prägender Endgeräte in der Hand behalten. Aber die Netzgemeinde ist volatil, die Marktherrschaft von Suchmaschinen und Versandplattformen nicht unerschütterlich. Die Gewinner stehen nicht fest, der Markt ist in ständiger Bewegung, und das Netz hat viele Facetten.

          Der Verfasser lehrt Öffentliches Recht an der Universität Bonn und ist Bundesverfassungsrichter a. D.

          Insofern könnte man sich zurücklehnen und neugierig warten, was im Wettbewerb geschieht. Doch das wäre reichlich naiv. Big Data und die neue Praxis von Kommunikation, Information und Wirtschaftsteilnahme haben das Zeug für eine kulturelle Umwälzung, vor allem, wenn man die verschiedenen Internetdebatten zusammen sieht. Wie schon viele Umbrüche zuvor standen bei der Geburt des Neuartigen introvertierte Techniker und Idealisten Pate und mussten dann hilflos mit ansehen, wie ihr Geschöpf von gierigen Goldsuchern und machthungrigen Eroberern in Besitz genommen wurde.

          Seit der Snowden-Zäsur schaut die Netzöffentlichkeit auf die NSA wie ein Unternehmen, das eine feindliche Übernahme vollzogen hat. Doch die sicherheitsversessene große Demokratie macht nur das, was kleinere Demokratien auch gern tun würden und die Autokratien und Diktaturen dieser Welt sind ebenfalls nicht unbeteiligt am Spiel der Datenspionage oder der Manipulation öffentlicher Informationszugänge. Vielleicht sollte sich Snowden auch einmal in seinem Gastland näher umschauen.

          Aber das eigentliche, das neue Problem liegt nicht einmal so sehr im Überwachungsstaat. Die kulturelle Veränderung greift tiefer, hinein in die Köpfe der Menschen, die zu Nutzern und zu Geführten werden, die womöglich eines Tages als Melkkühe aufwachen, und zwar auf jener digitalen Allmende, die so idealistisch auf den Weg gebracht wurde. Denn das Netz ist mit großen Erwartungen gestartet und viele davon werden auch bis heute erfüllt: Dezentralität der Information, die Entstehung neuer Foren, Bloggergemeinden, kreative Möglichkeiten für Wissen und soziale Nähe, politische Aktion oder Selbstverwirklichung. Aber wo so viel Licht ist, muss auch Schatten sein.

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