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Der „Spiegel“ und Relotius : Er spielte Schicksal

Als spielte man Schicksal mit Spielzeugfiguren. Bild: Alan Kearney / Image Source RF /

Nach den Enthüllungen gefälschter Geschichten beim „Spiegel“ bleiben Fragen: War Claas Relotius ein Einzeltäter? Oder lag, was er tat, in der Logik des Systems? Eine Einordnung.

          7 Min.

          Jetzt, da Claas Relotius, 33 Jahre alt und bis vor wenigen Tagen hochgelobter und mit vielen Preisen dekorierter „Spiegel“-Reporter, seine Fälschungen und Erfindungen gestanden, seine Anstellung gekündigt, seine Reporterpreise zurückgegeben und sich selbst offenbar zurückgezogen hat; jetzt, da Ullrich Fichtner, designierter Chefredakteur des „Spiegels“ und früher mal Relotius’ Förderer und Vorgesetzter, die Geschichte der Fälschungen und Erfindungen publik gemacht, den Fälscher rhetorisch zerstampft, den „Spiegel“ und dessen Grundwerte aber angemessen gelobt hat – jetzt also, da es anscheinend nicht mehr viel zu enthüllen oder aufzudecken gibt, stellt sich naturgemäß die Frage, was aus der ganzen Geschichte folgen könnte (außer dem traurigen, aber offenbar gerechten Umstand, dass ein begabter junger Mann auswandern oder sich eine neue Identität erfinden müsste, wenn er mit seinem Talent jemals wieder seinen Lebensunterhalt verdienen wollte).

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Das System Claas R. bricht zusammen.“ So hat, wie der Kollege Juan Moreno der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet, Ullrich Fichtner den Ausgang der Geschichte in einer SMS zusammengefasst.

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