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Walter Kirn aus Montana : Wir sind hier Selbstversorger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Unsere Form des Gewappnetseins im ländlichen Montana wird oft als asozial und irgendwie auch reaktionär verspottet. Doch angesichts der aktuellen Lage hat sie eine eigenartige Ruhe hervorgebracht. Ein Gastbeitrag.

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          In gewisser Weise sind meine Nachbarn in Montana – ein Bundesstaat im amerikanischen Westen mit einer Kultur der Selbstversorgung – schon lange auf eine Krise wie die jetzige vorbereitet gewesen. Hier, wo die Entfernungen groß sind, das Wetter heftig und unkalkulierbar ist, wo lebensnotwendige Dienste wie die Gesundheitsversorgung in Notfällen oft nur schwer zu erreichen sind: Hier wissen die Leute, dass es klug ist, wenn man sich mit Essen, Wasser, einer Erste-Hilfe-Ausrüstung und anderen wichtigen Dingen bevorratet, auch zu ganz normalen Zeiten.

          Und auch wenn diese Form des Gewappnetseins oft als asozial und irgendwie auch reaktionär von jenen verspottet wird, die in besiedelteren Gegenden wohnen, hat sie doch angesichts der aktuellen Lage eine eigenartige Ruhe hervorgebracht, hier, in meiner Stadt, in der 7000 Menschen leben. Während ich das schreibe, sind die Läden gut aufgestockt, die Leute guter Laune, fast fröhlich.

          Die wachsende Panik anderswo, von der wir aus den Nachrichten erfahren, wirkt fast irreal auf uns – auch wenn sich das natürlich ändern kann. Es fällt schwer, nicht zu denken, dass jene, die anderswo von diesem Notstand überrascht worden sind, sich zu sehr auf die Macht der Behörden verlassen haben, Stabilität und Nachschub zu garantieren. Und auch, wenn es niemand von uns Spaß macht, so zu denken, nicht, wenn wir einen Rest Mitgefühl haben: Unsere Weisheit und Vorsicht hat uns deutlich einen Dienst erwiesen. Auf dass diese Lektion nicht vergessen wird, wenn wieder Ruhe einkehrt. Hier wird man sie sicher nicht vergessen.

          Aus dem Englischen von Tobias Rüther.

          Walter Kirn wurde mit seinem Roman „Up in the Air“ (2001), der mit George Clooney verfilmt wurde, als Schriftsteller bekannt. Der Amerikaner kommentiert die amerikanische Gegenwart vor allem auf Twitter, zeitweilig auch als Kolumnist bei „Harper’s“. Zuletzt erschien sein Buch „Blut will reden“ im C. H. Beck Verlag.

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