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Missbrauch in indischer Kirche : Die Christen gleichen sich den Kasten an

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Hinter den Kulissen der katholischen Kirche: Über lange Zeit hinweg missbrauchten Geistliche Nonnen und Kinder – unter anderem auch in Indien. Bild: dpa

Noch ist ihre Macht ungebrochen: Hinter der Fassade klerikaler Unantastbarkeit haben Geistliche Nonnen und Kinder missbraucht. Wie die katholische Kirche in Indien ins Zwielicht gerät.

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          Nachdem der Papst eingestanden hat, dass katholische Kleriker Kinder und Nonnen missbraucht haben und dabei auch Indien genannt hat, kann die dortige katholische Kirche der öffentlichen Anklage nicht mehr entfliehen. Dies ist eine eklatante Umkehrung des bisher von der Kirche offiziell verbreiteten Narrativs. Dieses sieht vor, dass Christen vor allem in Nordindien von radikalen Hindu-Gruppen angegriffen und schikaniert werden. Es ist ausreichend dokumentiert, dass die gegenwärtige Politik von „Hindutva“, die Hindu-Werte unkritisch durchsetzen will, Minderheiten wie Muslime und Christen zahlreichen kleinen und größeren Repressalien aussetzt. Dass aber auch auf vielfältige Weise indische Christen ihre Glaubensgenossen verfolgen und schikanieren, dieses Bild wird erst in den letzten Wochen an die Weltöffentlichkeit gebracht und droht den guten Ruf der Christen in Indien zu überschatten.

          Ende letzten Jahres ging die skandalöse Geschichte von Bischof Franco Mulakkal durch die Presse, der wiederholt eine Nonne in ihrem Konvent vergewaltigt haben soll. Sie beschwerte sich bei der Kirchenobrigkeit, die ihr jedoch keinen Glauben schenkte. Schließlich ging sie vor Gericht und strengte einen Prozess an. Der Bischof wurde verhaftet, kam jedoch nach drei Wochen auf Kaution frei. Er bestreitet die Anschuldigungen vehement. Der Prozess läuft und könnte Jahre dauern. Ein Priester, der als Zeuge vernommen werden sollte, starb unter ungeklärten Umständen.

          Obwohl sich eine Handvoll Nonnen mit dem mutmaßlichen Opfer solidarisierte, hat sich dessen Orden auf die Seite des Bischofs gestellt. Als der Bischof aus dem Gefängnis zurückkehrte, wurde er vom Konvent demonstrativ mit Girlanden willkommen geheißen. Die Schwester, die den Mut hatte, die Tat anzuzeigen, sieht sich Drohungen, Verleumdungen und Isolierung ausgesetzt.

          Die sakrale Macht des Priesteramts

          Die Berichte zu diesem Fall sind in der Mainstream-Presse kurz und am Rande erschienen. Nur die Internetseite www.mattersindia.com schreibt regelmäßig und ausführlich darüber. Im letzten Monat hat jedoch Indiens führende seriöse Tageszeitung, „The Hindu“, einen langen Bericht zur Lage der katholischen Kirche im Lande veröffentlicht, der diesen Skandal zum Ausgangspunkt nimmt, um die desolate Situation innerhalb der offiziellen Kirche zu beschreiben. An einer Umfrage, die von Associated Press durchgeführt wurde, beteiligten sich zahlreiche Nonnen, doch stets unter Wahrung der Anonymität. Sie berichten von vielfacher sexueller Nötigung, von der sie nicht einmal ihren Mitschwestern zu erzählen wagen, denen sie also hilflos ausgesetzt sind, weil eine Mauer des Verschweigens sie umgibt. Wie „The Hindu“ erklärt: „Eine Beschwerde gegen einen Priester bedeutet, Klage gegen jemanden zu führen, der innerhalb der Hierarchie höher steht. Man kann in ein Gewirr von übler Nachrede und Kirchenpolitik hineingeraten.“

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