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Der neue Pastell-Trend : Im Kunstfaserland

Attacke Pastell: Die Künstlerin Verena Issel sammelte in syrischen Matratzenläden Reste und baute eine neue Antike mit dem Titel „Soft Ruins III“. Bild: Verena Issel

Pastell und Neon, Schaumstoff und Drohnen: Was bedeutet die neue Ästhetik, die gerade in Kunst und Literatur entsteht?

          7 Min.

          In den vergangenen Wochen gab es in Berlin ein großes Geschrei: Es hieß, jetzt sei es wohl vorbei mit der Kunststadt Berlin, nicht nur die lokale Kunstmesse sei eingegangen, auch die Sammler würden scharenweise die Stadt verlassen – Friedrich Christian Flick etwa und Thomas Olbricht, der vor zehn Jahren einen sehr hässlichen Mehrzweckbau in die idyllische Auguststraße hineingedonnert hatte, in dem er fortan seine von ihm so genannte Me Collection (für „moving energies“) zeigte – wobei das Verschwinden der Energien dieser Sammlung, in der Olbricht neben Gemälden barbusiger Frauen einen Schrumpfkopf zeigte, vielleicht gar keine so üble Nachricht für Berlin ist, denn wenn es sich nicht um eine Fälschung handelt, dann gehörte dieser Kopf einmal einem Menschen, der Freunde hatte und Angst und sich über das Morgenlicht freute und sich verliebte und früh ein grausames Ende fand. Aber Olbricht waren Feinsinnigkeiten wie die Frage, ob der Besitzer des Kopfes damit einverstanden wäre, zwischen in Öl gemalten Busen in einem deutschen Kunstgruselkabinett aufgestellt zu werden, offensichtlich egal.

          Niklas Maak
          (nma.), Feuilleton

          Ist die Berliner Kunstwelt, ist die Kunst generell in einer Krise? Wegen abziehender Sammler definitiv nicht. Aber die Corona-Monate haben die ohnehin nicht komfortable Situation von Künstlern und Galerien nicht verbessert; vierzig Prozent der für eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung befragten Künstler leben von zehntausend Euro im Jahr und weniger, und was trotz Corona-Hilfen fehlt, ist eine massive Aufstockung der staatlichen Ankaufsetats und Personalbudgets, die das ganze darbende Kunstsystem beleben würde – eher als noch eine halbmilliardenteure Luxusschatulle, in der dann weiterhin die Mitarbeiter unter Tarif bezahlt werden und Ausstellungen wegen Budgetmangels nicht stattfinden können. Vor lauter Klagen wird mittlerweile aber die gute Nachricht fast vergessen: dass zwar das Museumssystem in der Krise steckt, die Kunst selbst, trotz immer üblerer Produktionsbedingungen, aber nicht.

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