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Weltkulturerbe Naumburger Dom : Spätromanisch wachgeküsst

Furchtsam hinter dem Schild verschanzt: die Stifterfigur Dietmar im Westchor Bild: Picture-Alliance

Zu ihrer Entstehungszeit um 1240 müssen die Stifterfiguren des Naumburger Doms eine Sensation gewesen sein. Noch heute schlagen sie jeden Besucher in den Bann. Jetzt sind sie zum Weltkulturerbe ernannt worden.

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          In der Ü-40-Liga kennt Uta von Naumburg jeder, schon deshalb, weil diese Generation die letzte ist, die noch Kreuzworträtsel löst, die nahezu immer nach der „Naumburger Stifterfigur mit drei Buchstaben“ fragen. Sie wurde seit den zwanziger Jahren zur deutschen Mona Lisa stilisiert, Marlene Dietrich schminkte sich nach ihrem Vorbild (womit bereits betont sein soll, dass die Farbfassung in Utas Naumburger Dom tatsächlich weitgehend das originale „Make-up“ der 1240er Jahre ist) – Uta ist gleichsam der „Blaue Engel“ der Spätromanik.

          Stefan Trinks

          Redakteur im Feuilleton.

          Über die „Blauen Bücher“, deutsche Kunsthistoriker-Bestseller in Millionenauflage (auch das gab es einmal) mit den ikonischen Fotografien des Bamberger-Reiter-Unsterblichmachers Walter Hege, waren sie und ihre Naumburger Stifter-Crew in der symbolträchtigen Apostel-Zwölfzahl in jedem Bildungsbürgerhaushalt präsent. Auch nicht zu unterschlagen: Als Vademecum vieler Wehrmachtssoldaten ist sie im kleinformatigen „Kunstbrief“ in den Tornistern auch als „deutsche Sonderleistung“ und Inbegriff der „deutschen Frau“ als eine Art Spindfoto der Hochkultur gen Osten gezogen.

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